Empfindsam, zärtlich, traurig

Er selbst mag die Stille. Er glaubt an das Glück. Trotz aller Traurigkeit. Er selbst ist empfindsam. Benjamin Lebert, 30, ging offensiv mit seinen Essstörungen und dem anschließenden Klinikaufenthalt um. Nur noch 47 Kilo wog der in Freiburg geborene Schriftsteller. Dann zog er die Notbremse. Seine Geschichte ist also die des Protagonisten Robert seines neuen Romans „Im Winter dein Herz“, der pünktlich zum Winterabschied auf den Markt gekommen ist.

Die Story: Robert und sein Mitpatient Kudowski machen sich zusammen mit der jungen Türkin Annina in einem klapprigen Jeep auf einen Roadtrip durch ein Deutschland, das im kollektiven Dornröschenschlummer liegt. Alles schläft, dank eingenommener Winterschlaf-Pillen, die Stille und der Schnee sind erdrückend, die drei Schlaflosen lernen sich langsam kennen auf der Reise. Das Ziel: München, wo Roberts Vater wohnt und der Winter zu Ende gehen könnte.

Es ist ein lesenswerter Roman über die Freundschaft, die Sehnsucht, das Schweigen, das Alleinsein und die Suche nach Geborgenheit in der großen Kälte. Lebert, der von der Kritik schon als „Literatur-Mozart“ und „Wunderkind“ gefeiert wurde, als er im zarten Alter von nur 17 Jahren den ersten Roman „Crazy“ veröffentlicht hatte, zeigt, dass man dem Frost trotzen kann. Und dass dies nicht unbedingt gleichbedeutend mit Kitsch ist.

Text: Dominik Bloedner

Von Benjamin Lebert
Verlag:
Hoffmann und Campe, 2012
Seitenzahl:
160, gebunden
Preis:
18,99 Euro