Beim Versuch geblieben

Schuster, bleib bei deinen Leisten, sagt der Volksmund. Stets sollte also Skepsis angebracht sein, wenn Künstler hopplahopp die Disziplin wechseln – wenn etwa Musiker mit dem Schreiben anfangen. Sicher, manchmal funktioniert das, wie zum Beispiel bei Sven Regener (Element of Crime), der uns seit Jahren bestens schriftstellernd unterhält. Nun hat mit Jochen Distelmeyer ein weiterer Pop-Held seinen Erstlingsroman vorgelegt. Schuster, greifst du nach den Sternen? Nein, der Musiker, Komponist und Sänger der legendären, 2007 aufgelösten Band Blumfeld hat leider ganz woanders hin gegriffen.

 

Schon nach den ersten Seiten fragt sich der geneigte Leser: Was ist denn das!? Die Antwort: Ein überflüssiger Berlin-Künstlerszene-Selbstverliebtheits-Liebeskummer-Einsamkeits-Roman mit nicht eingelöstem politischen Anspruch. Tristan, der verkrachte Protagonist und Möchtegern-Schriftsteller, lässt sich durch die Stadt treiben, es regnet meist, am Ende beißt ein Hund zu – und erlöst uns alle. Dazwischen gibt es noch griechische Mythologie, Party-Gedöns, Theater, Frauengeschichten. Sprachlich ist der Roman hölzern, inhaltlich dürftig.

 

Der Autor langweilt mit verkopften Exkursen in längst vergangene Tagespolitik (Wulff-Affäre, Holocaust-Mahnmal, Piratenpartei). Für Distelmeyer ist es mit seinem Erstling beim kläglichen Versuch geblieben. Schade.

 

Text: Dominik Bloedner

 

"Otis" von Jochen Distelmeyer

 

 

 

 

Jochen Distelmeyer
Otis
288 Seiten, gebunden
Rowolth, 2015
19,95 Euro