Amerikanische Abgründe

In Niceville verschwinden mehr Menschen als an anderen Orten. Ob das irgendetwas mit dem mysteriösen Wasserloch in der Stadtmitte, dem Crater-Sink, zu tun hat? Ansonsten leben in der idyllisch gelegenen Stadt natürlich auch eine Menge interessanter Menschen. Da ist etwa Polizeiermittler Nick Kavanaugh, der ein düsteres Geheimnis aus seinen Army-Tagen mit sich herumträgt.

Da sind die zwei skrupellosen Bankräuber Merle Zane und Charlie Danziger, die noch auf der Flucht in einen heftigen Streit geraten. Da ist der widerliche Fettsack Tony Bock, der biertrinkend die Existenzen fremder Menschen durch mysteriöse Internetbotschaften ins Wanken bringt. Und dann gibt es noch einen kinderlieben Drogendealer, eine hübsche Erpresserin, einen kriminellen Polizeischarfschützen und viele weitere bemerkenswerte Individuen.

Der erste Teil von Strouds Trilogie erinnert dank der episodenhaften Erzählweise und der wenigen, aber eindringlichen Stellen, an denen die Handlung ins Übersinnliche neigt, an die US-Fernsehserie „Lost“. Einziges Manko: Die Veröffentlichung des zweiten Teils ist erst für 2013 geplant. Deutlich zu lange für jemanden, der jetzt schon süchtig nach dem verflochtenen und düsteren Geschichtennetz aus Niceville ist.

Felix Holm

Carsten Stroud
Niceville
512 Seiten, gebunden
DuMont-Buchverlag, 2012
Preis: 19,99 Euro