Heiße Wortspeise …

… eiskalt serviert. Der nicht zuletzt durch die Herausgabe der Zeitschrift „Häuptling Eigener Herd“ mit dem Stuttgarter Meisterkoch Vincent Klinik bekannte Wiglaf Droste offeriert aus seiner ganz eigenen Küche aktuelle Themen als literarische Schlecker-Häppchen direkt „vor you“ vom Brandherd.

Dabei sautiert er nicht nur die Top drei der Jury zum „Unwort des Jahres 2011“. Gewohnt trocken erläutert er, warum Zigeunerschnitzel besser als Kalbsschnitzel bezeichnet und warum „auf gut deutsch“ nie wieder (!) Rotwein mit Zucker angerührt werden darf.

Nach „Auf sie mit Idyll“ (2011) beweist Droste einmal mehr, dass er kein Kostverächter ist. Wenn ihn auch der alltägliche Sprachgebrauch auf der Zunge zu jucken scheint. Zwar ist der Autor fern der Idee, für die Stelle des Gewerkschaftsführers der Berufsgruppe Stresstester zu kandieren – die Nerven seiner Leser schont er aber nicht und nimmt sich auch noch den süßesten Neologismen an. Sollte allerdings von stoiber’scher „Kompetenzkompetenz“ die Rede sein, lädt für Droste die kalkulierbare „Happy-End-Kultur“ zum entspannten Spaziergang im „Entsorgungspark“ ein.

„Sprichst du noch oder kommunizierst du schon?“ verursacht im Leser mindestens so viel aufbrausenden Lärm wie eine sonntagmorgendliche Rollkofferarmee auf Kopfsteinpflaster.

Text: Ingo Heckwolf

von Wiglaf Droste
Verlag: Edition Tiamat, 2012
Seitenzahl: 191, Broschur
Preis: 14 Euro