Der Mensch als Katastrophe

Kein richtiges Leben im falschen – seit Adorno ist es amtlich. Da kann man noch so verzweifelt versuchen, die Welt zu retten oder etwas erträglicher zu machen. Schauplatz des neuen Buches des US-amerikanischen Bestsellerautors Thomas Coraghessan Boyle sind die Santa-Barbara-Inseln an der kalifornischen Küste, wo sich zwei Fraktionen von Umweltschützern aufs Heftigste bekriegen.

Das Ökosystem ist im Ungleichgewicht, die Wiederherstellung bedeutet die Ausrottung von eingewanderten Ratten und Wildschweinen – dafür steht die Fraktion der Biologin Alma. Der wahnsinnige Dave und seine militanten Anhänger hingegen wollen das Töten um jeden Preis verhindern, im Regen kommt es zum tragischen Show-Down.

Vom Verlag als „Öko-Thriller“ angepriesen, ist „Wenn das Schlachten vorbei ist“ jedoch keine wirklich spannende, fesselnde Lektüre. Boyle, der grünste Geschichtenerzähler der USA und für viele eine Art „Öko-Jesus“, ist müde, seine Erzählstränge sind vorhersehbar, die Charaktere sind flach und nicht mehr schrullig-sympatisch. Eine Enttäuschung, die sich seit Längerem abgezeichnet hat. Frühere Bücher wie „Wassermusik“, „Grün ist die Hoffnung“ oder „América“ waren ob ihrer famosen Detailverliebheit und ihrer überraschenden Wendungen ein richtiger Genuss. Schade. Und dass der Mensch eine Katastrophe ist, hat Adorno bereits besser und schlüssiger beschrieben.


Text: Dominik Bloedner

von T. C. Boyle
Verlag:
Carl Hanser, 2012
Seitenzahl:
462, gebunden
Preis: 22,90 Euro