Jacob Tolmeyn, ein aus Apulien nach Berlin zurückgekehrter Kunsthistoriker, wird im Sommer 1915 bei einer eigentlich harmlosen, zu Kriegszeiten aber verdächtigen Beschäftigung verhaftet: Er streut Sandkörner auf die reichshauptstädtischen Straßen.

 

Weil das die öffentliche Ordnung stört, wird er verhaftet. Der Kommissar kommt bei der Vernehmung auf das eigentliche Problem: Tolmeyn ist schwul, was damals per Paragraf 175 des bürgerlichen Strafgesetzbuchs verboten war. Genau diese Neigung hatte den Protagonisten zuvor als Mitarbeiter des Kaiserlichen Archäologischen Instituts erpressbar gemacht.

 

So war ihm schon länger ein Pseudo-Lover auf den Fersen, der ihn denunzieren wollte, wenn er kein Geld rausrückt. Um dem zu entkommen, hatte sich Tolmeyn für eine Forschungsarbeit nach Italien schicken lassen – und dort seinen Lebenspartner gefunden.

 

Nach seiner kriegsbedingten Rückkehr aber steht der Erpresser wieder vor der Tür – die Sandkörner sollten ihn in die Obhut der Polizei treiben. Der humanistische Kommissar schickt ihn lieber an die Front, als dem Mann einem Prozess und seinen Verfolger auszusetzen. Tragisch, dass Tolmeyn dann an der Front stirbt – im Treibsand.

 

Ein spannendes, fein komponiertes, antimilitaristisches Buch über den Irrsinn verbotener Liebe und die Lebensnotwendigkeit von Toleranz.

 

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Das Sandkorn

von Christoph Poschenrieder

Verlag: Diogenes 2014

416 Seiten, Paperback Leinen

Preis: 22,90 Euro

 

Text: Erika Weisser