Die Mutter ist eine versoffene, egozentrische Schreiberin, der Vater, einst Kassenwart der Roten Armee Fraktion, auch ziemlich am Ende. Vom Internat in der fränkischen Provinz ist er geflogen und bislang hatte er nur Blümchensex – Robert muss raus. Dabei ist es nun „eine Frage der Moral, ob man lieber in München verspießert oder in Berlin total verzweifelt ist“.

 

Diese Frage stellt der renommierte Regisseur und Drehbuchautor Oskar Roehler in seinem zweiten Roman „Mein Leben als Affenarsch“ in den Raum und streift so nebenbei seine eigene Familiengeschichte. Es geht also nach Berlin, in die Frontstadt der Achtzigerjahre: Graue Hinterhöfe, der Geruch nach Kohlsuppe, jede Menge Wod- ka, Speed und Punkrock, hier geht die Welt jeden Tag erneut unter, hier sind alle anderen Wahnsinnigen gestrandet.

 

Robert, der verhinderte Literat, putzt in einer fiesen Peep-Show das Sperma weg, hat endlich hemmungslosen Sex und wandert in seinen Springerstiefeln scheinbar ziellos durch die eingemauerte Stadt.

 

Das eingängige Buch hat den harten, energetischen Sound der Mauerstadt, es ist ein anklagender, witziger und schamlos offener Monolog, Übrigens: Mit dem gleichzeitig in die Kinos gekommenen Film „Tod den Hippies, es lebe der Punk!“ (Grandios: Tom Schilling) gibt es nur grobe Überschneidungen. Wie den väterlichen Rat: „Junge, am Ende zählt nur die Missionarsstellung.“

 

Text: Dominik Bloedner

 

Oskar Roehlers "Mein Leben als Affenarsch"

 

 

 

 

 

Oskar Roehler
Mein Leben als Affenarsch
224 Seiten, gebunden
Ullstein Verlag, 2015
18 Euro