Düstere Begierden

Er hat uns viele beachtenswerte Filme geschenkt wie „Die Fliege“ (1986), „Naked Lunch“ (1991) oder „Crash“, der 1996 bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet wurde und Menschen zeigt, die sexuelle Erfüllung nur dann finden, wenn sie dabei brutalen Autounfällen zusehen. Keine leichte Kost, immer skurril, verworren, abgedreht. Nun hat der kanadische Regisseur David Cronenberg, mittlerweile auch schon 71, seinen allerersten Roman vorgelegt. Es ist ein großer, ein düsterer Wurf.

 

Naomi und Nathan sind ein multimedial hochgerüstetes Journalistenpaar, das um die Welt hetzt und die Beziehung eher übers Smartphone auslebt statt im Bett. Sie ist an einer heißen Story dran: Ein französischer Starphilosoph soll seine Frau ermordet und (aus Liebe?) verspeist haben. Er ist in Budapest bei einer Brust-OP mit radioaktiven Kugeln und schläft mit der schönen, todkranken Patientin Dunja. Es kommen Geschlechtskrankheiten ins Spiel, ein rechtwinklig gekrümmter Penis, Reisen nach Japan und Kanada und der Marxismus.

 

Es geht um Gier, Sehnsucht und immer tiefere Abgründe, die sich nach jeder Wendung der fesselnd-unterhaltsam geschriebenen Story auftun. Doch keine Angst, der Meister selbst gibt Entwarnung auf dem Klappentext: „Ich glaube, dass man sich alles vorstellen kann. Man sollte nur nicht alles tun.“ Brillant – vor allem für einen Erstlingsroman.

 

Text: Dominik Bloedner

Buchcover Verzehrt von David Cronenberg

 

Verzehrt
von David Cronenberg
Verlag: Fischer, 2014
Seitenzahl: 400, gebunden
Preis: 22,99 Euro