Deutsche Wahrheiten

Schön akademisch verschwurbelt, manchmal irre komisch, stets erhellend und unterhaltsam. Und deutsch. Der Freiburger Nischenverlag orange press hat mit „Lyrix – Lies mein Lied“ ein famoses Buch herausgebracht, das hält, was der Untertitel verspricht: „33 1/3 Wahrheiten über deutschprachige Songtexte“. Wie hat sich Rock,n,Roll hierzulande vom englischen Idiom emanzipiert, wann und warum war es nicht mehr peinlich, auf Deutsch über Gefühle zu singen?

33 Musiker, Künstler, Journalisten und Wissenschaftler schreiben über einen Songtext ihrer Wahl. Zum Beispiel über den „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang und den hilflosen Versuch, dieses Lied zu zensieren, oder die Widersprüchlichkeit des Songs „Tanz den Mussolini“ von DAF, der zu Unrecht unter Faschismusverdacht geriet. Unter den Autoren sind auch lokale Größen: Freiburgs prominentester Poptheoretiker Klaus Theweleit ruft uns in Erinnerung, dass es Ton, Steine, Scherben und nicht Udo Lindenberg waren, die das erste Mal deutschen Rock machten, vor dem einem nicht grauste. Freiburgs prominentester Punk Bdolf (Fleischlego) knüpft sich Heinz-Rudolf Kunze, dessen Nazi-Vater und kindertötenden Rottweiler vor. Und Joachim Schneider, ein guter, wenn auch nicht richtig prominenter Journalist aus Freiburg, erklärt, warum das Lied Delmenhorst von Element of Crime ein perfektes Country-Stück ist.

Dominik Bloedner

Lyrix – Lies mein Lied
von Erik Wachtler, Simon Bunke (Hg.)
Verlag: Orange Press, 2011
Seitenzahl: 256, broschiert
Preis: 20 Euro