Ein eindeutiger Titel, ein noch eindeutigeres Titelbild: Oh je, noch ein Machwerk, das auf der „Feuchtgebiete“-„Shades of Grey“-Welle mitreiten will. Doch Jacinta Nandi zeigt schnell, dass sie mehr kann, als platt zu provozieren.

 

Ihr Roman ist urkomisch, obwohl man als Leser öfters schuldbewusst innehält: Darf man darüber eigentlich lachen? Ob man darf, muss jeder für sich entscheiden, dass man es kann, zeigt die in London geborene Autorin, die seit mehr als zehn Jahren in Berlin lebt. Das Leben im Frauenhaus, Ausländerklischees, Lifestyle-Feminismus – Nandi bringt alles mit viel Charme und einer entwaffnenden Naivität aufs Tablett.

 

Die Frage nach dem autobiografischen Anteil wird nicht beantwortet. Ein transsexueller Stiefvater, der Tante Trudie genannt werden will. Eine behinderte Mutter, deren größter Wunsch es ist, noch einmal Sex zu haben. Ein Exfreund, der nur gegen einen Blowjob auf den Knien auf ihren Sohn aufpasst. Ziemlich verrückt, um aus dem wahren Leben gegriffen zu sein, dennoch ordnet der Verlag das Werk in die Sparte „Memoir“ ein. Doch eigentlich spielt es auch keine Rolle: Nandi beschreibt ihren Alltag so ungeschönt und authentisch, dass sich die meisten Frauen wohl ein Stück weit wiederfinden können.

 

Text: Tanja Bruckert

 

nichts gegen blasen

 

 

 

 

Jacinta Nandi
nichts gegen blasen
288 Seiten, Taschenbuch
Ullstein extra, 2015
14,99 Euro