In sich geschlossen & offen

Ein Mitglied einer bekannten Band bringt ein Soloalbum heraus, in diesem Fall: Roger, einer vom Blumentopf, der Münchner Rapkombo, die seit mehr als zwanzig Jahren aktiv ist, regelmäßig ausverkaufte Touren spielt, eine große Fanbasis hat und seit der Fußball-WM 2006 mit ihren Reportagen zu den Spielen der Nationalelf in der ARD für gute Unterhaltung sorgt. Das war alles und das wird auch alles wieder sein. Die Gegenwart bestimmt allerdings „4S Punks“, nach „Alles Roger“ von 2008 der zweite Solowurf des Rappers. Raps, Beats, Grafik – für alles zeichnet der Münchner selbst verantwortlich. Der Titel zeigt es bereits, es ist ein Album geworden, das den Zeitgeist karikiert – aber auch zeigt. Von Punks mit iPhones rappt Roger im dreckig knarzenden Titelstück, in dem er Gegensätze gegenüberstellt und das Dilemma einer Gesellschaft mit Frontmännern im Hintergrund auf den Arm nimmt.


„Ich hab mehr Träume als ich schlafen kann“, lautet wiederum eine Zeile auf dem soulig warmen „Malen statt Radieren“, wohingegen „Gib mir 5“ eine traurige Abhandlung gescheiterter Liebe darstellt. In diesem stets umherschwankenden Spannungsfeld bewegt sich Roger souverän auf einer Linie, die bei allen thematischen Umwegen das Ziel weder aus den Augen verliert noch verfehlt: Ein in sich geschlossenes Werk zu sein, das sich nach außen öffnet und dem Hörer einen angenehmen Ort zum Verweilen bietet.

Text: Daniel Weber

Roger
4S Punks
WSP Records