Die Kraft der Sprache

Unvollendete Meisterwerke haben oft eine besondere Aura: Man denke nur an Michelangelos Sklavenskulpturen oder an die Achte Sinfonie von Franz Schubert. Die Oper Moses und Aron gehört ebenfalls dazu. Erschien Schönberg als führendem Kopf der musikalischen Avantgarde, die nach einer grundlegenden Erneuerung auf dem Gebiet der Komposition strebte, das Unterfangen letztendlich zu ehrgeizig?

Der Komponist begann bereits in den 1920er Jahren mit diesem Projekt und ließ es bis zu seinem Tod 1951 unvollendet. Dabei lag ihm das Thema sehr am Herzen: Als Jude, der zum Protestantismus übergetreten war, litt er sehr unter der Verfolgung seiner ehemaligen Glaubensbrüder – und musste schließlich selbst in die USA fliehen, nachdem er 1933 wieder zum Judentum konvertiert war. Unter dem Eindruck des immer offener zur Schau getragenen Antisemitismus beschloss Schönberg, den Stoff aus dem 1. Buch Mose zu vertonen. Die Oper befasst sich mit Fragen des Daseins, zwischen Göttlichem und Menschlichem, dem Unaussprechlichen und dem Handeln des Menschen, zwischen den Gefühlsregungen des Herzens und der manipulatorischen Kraft der Sprache.

Straßburg, Musikpalast
Fr., 21.9., 20.30 Uhr
www.operanationaldurhin.eu



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