Kleine Essays über eine schöne Stadt

Havanna, Kubas Hauptstadt, wird von Kritikern des herrschenden Systems gerne totgesagt. Alte Häuser stürzen trotz umfangreicher Unesco-Hilfe ein, die Armut grassiert, Akademiker schlagen sich als Taxifahrer und Putzleute durch. Und doch – die Stadt lebt, es gibt fröhliche Menschen, ungebrochenen Humor und die Musik. So ist es kein Wunder, wenn nun der Episodenfilm „7 Tage in Havanna“ die kubanische Hauptstadt, ihr Feuer und ihre Menschen feiert. In ganz unterschiedlichen Segmenten haben erfolgreiche Regisseure mit ihren eigenen Handschriften kleine Essays über Havanna geschrieben. Dabei kam – fast selbstverständlich – eine Liebeserklärung heraus.

Szene mit Melvis Estéves.
Die schönsten Filme, so will es die Dramaturgie des im Stile von „Paris, je t’aime“ und „New York, I Love You“ gemachten Kaleidoskops, stehen am Beginn. Da der Film nach Wochentagen, von „Montag“ bis zum „Sonntag“, gegliedert ist (was allerdings nicht unbedingt viel Sinn ergibt), lässt sich sagen: Die erste Hälfte der Woche ist einfach die schönere.

Ob nun Schauspieler Benicio del Toro in seinem ersten kinotauglichen Regiebeitrag einen jungen amerikanischen Touristen (Josh Hutcherson) begleitet, der das erste Mal Havanna besucht und gute Tipps von einem Taxifahrer mit Doktorgrad bekommt; ob Pablo Trapero den unschlagbar lässig sich selbst spielenden Regisseur Emir Kusturica zum Filmfestival von Havanna führt, weil der dort einen Preis entgegennehmen soll und nach Beziehungs-Telefonaten der unweigerliche Alkoholabsturz des Filmemachers folgt: Das alles sind große Momente, wie sie fast nur Episodenfilme zustande bringen – kleine Versuche, mit viel Fantasie und Freiheit im Erzählerischen.

Szene aus dem Film.
Julio Médem lässt ausgerechnet Daniel Brühl einen Hochstapler-Produzenten spielen, der einer jungen Sängerin (Melvis Estéves) die große Karriere in Spanien verspricht. Doch Cecilia entscheidet sich für ihren armen einheimischen Freund – es lebe die Treue. Ein palästinensischer Journalist, der mit einer hohen politischen Persönlichkeit, Castro selbst vielleicht, ein Interview führen will, wird bei Elia Suleimans Beitrag schrecklich hingehalten und beginnt an seiner schlichten Liebe zu Kuba zu zweifeln.

Gegen diese leichthin erzählten Szenen fallen die letzten Geschichten ein wenig ab, wenngleich der Sonntag, in dem es um die alte Martha (Natalia Amore) und ihre Nachbarn geht, nochmal ein Feuerwerk ist an Nachbarschaftsliebe und religiösem Wahn. Der Marienkult muss leben – und sei es, dass man aufgrund einer Erscheinung einen Marienbrunnen à la Lourdes mitten in der Wohnung errichten muss. Soll heißen: Wenn schon das große Ganze nicht stimmt – an Solidarität hat es in Kuba sicher nie gefehlt.

Text: Wilfried Geldner / Fotos: Alamode
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: überzeugend
Genre: Drama
Freigabealter: 6
Verleih: Alamode
Laufzeit: 129 Min.