Fremde Heimat

Nun ist Jaden dran: Nachdem Will Smith in „I Am Legend“ zusammen mit seiner Tochter Willow in einem Apokalypse-Film vor der Kamera stand, darf jetzt also sein Sohn mit ihm im Science-Fiction-Abenteuer „After Earth“ über die verlassene Erde streunen. Ob das wohl ausgleichende Gerechtigkeit im Sinne der Kindererziehung ist? Vermutlich soll der Film aber vielmehr die Karriere des jungen Smith-Sprösslings ankurbeln. Nach Jadens Debüt in „Das Streben nach Glück“ bekam er mit „Karate Kid“ die Chance auf ein eigenes Franchise. Das Remake des 80er-Kultfilms blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Jetzt soll wohl „After Earth“, das kein Geringerer als „Sixth Sense“-Regisseur M. Night Shyamalan schrieb und inszenierte, Jaden dauerhaft in Hollywood etablieren.

Szene mit Will Smith und Jaden Smith.
Um ihre problematische Beziehung zu kitten, unternimmt Cypher (Will Smith) mit seinem Sohn Kitai (Jaden Smith) einen Weltraum-Ausflug. Doch etwas geht schief auf ihrer Reise, und das Raumschiff stürzt auf einen Planeten, der seit 1.000 Jahren unter Quarantäne steht. Alles, was darauf lebt, hat nur ein Ziel: Menschen töten. Als einzige Überlebende müssen Vater und Sohn nun zusammenarbeiten. Cypher, General einer Eliteeinheit, hat sich beim Absturz schwer verletzt und dirigiert Kitai per Funk durch die aggressive Wildnis des Planeten, den die Menschheit einst Erde nannte.

Vor 1.000 Jahren mussten die Menschen ihre Heimatwelt schlagartig verlassen und ein Exil auf dem entfernten Planeten Nova Prime finden. Zu vergiftet waren Atmosphäre und Umwelt der Erde – sie begann, sich mit extremen Mitteln gegen ihre hochentwickelten Bewohner zu wehren und wurde für Menschen tödlich. Kitai muss sich aber nicht nur mit mutierten Tieren auseinandersetzen. Sein Vater bemerkt recht bald, dass die gefährliche Ladung in ihrem Raumschiff auch überlebt hat. Für Trainingszwecke hatten sie eine der tödlichsten Tierarten von Nova Prime gefangen: Ursa. Die elefantengroßen, insektenartigen Wesen haben zwar keine Augen, aber feine Nasen – und sie springen vor allem auf einen Duft an: den Geruch menschlicher Angst. Wer seine Gefühle kontrollieren kann, ist für die Ursa unsichtbar. Kitai muss sich also nicht nur äußeren Gefahren stellen, sondern auch seinen eigenen Ängsten.

Es fällt schwer, „After Earth“ objektiv zu beurteilen. Man muss strikt den Film und das Drumherum trennen. Das Science-Fiction-Abenteuer wird nämlich von einigen Vorurteilen und Vorwürfen überschattet. Da wäre die Tatsache, dass Will Smith nicht nur die Geschichte ersann und den Film produzierte, sondern die Hauptrolle an seinen eigenen Sohn Jaden vergab. Das ist von vorneherein eigentlich nicht verwerflich, wenn dann im Film aber doch immer mal wieder die schauspielerischen Limitierungen des jungen Smith’ allzu sichtbar werden, hat das nun mal einen faden Beigeschmack.

Szene mit Will Smith.
Auch die Wahl von Regisseur M. Night Shyamalan ist ungewöhnlich. Der Inder hat einen beispiellosen Karriereniedergang hinter sich: Nach seinem weltweiten Erfolg „The Sixth Sense“ (1999) ging es mit Qualität und Ertrag seiner Filme stetig bergab. Sein Name steht jedenfalls schon länger nicht mehr für Klasse. Mit „After Earth“ bietet er zwar auch nicht die große Kunst, und kann hier und da seinem extremen Hang zum Kitsch immer noch nicht widerstehen, dennoch setzt er die Story spannend um. Das Tempo bleibt insgesamt hoch, die Inszenierung groß und spektakulär.

Irritierender sind da schon eher die scheinbar emotionslosen Anweisungen von Will Smith’ General Cypher. Über eine ständige Audio- und Video-Funkverbindung ermutigt er seinen Sohn, Gefühle und Ängste streng im Zaum zu halten. Nur so könne er überleben. Das sorgte vor allem in den USA für einen Aufschrei der Kritiker: Es wird stark vermutet, dass „After Earth“ einige Hauptlehren und -motive von Scientology bewusst aufgreift. Das lässt sich natürlich schlecht beweisen, auch hat sich Will Smith nie öffentlich zur Sekte bekannt. Die Vorwürfe stehen aber nun mal im Raum.

Und tatsächlich kommt man nicht umhin, Parallelen zur Hubbardschen Lehre zu erkennen: Die Menschheit verlässt die Erde, Emotionen müssen kontrolliert und Ängste überwunden werden – darum geht es im Film, das sind zentrale Thesen der Sekte. Isoliert man „After Earth“ aber von den Nebengeräuschen und betrachtet den Film als das, was er ist, bleibt vor allem eines: simple, aber gute Unterhaltung.

Text: Sebastian Srb / Fotos: 2013 Sony Pictures Releasing GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: After Earth
Genre: Science Fiction
Freigabealter: 12
Verleih: Sony
Laufzeit: 100 Min.