David gegen Goliath

Es ist ein sehr großer Goliath gegen einen winzigen David. Denn auf der einen Seite steht Rasmus Gerlach, auf der anderen Apple, und Ersterer will aufdecken, was bei dem Riesenkonzern mit dem hübschen angebissenen Apfel schiefläuft. Gerlach muss vorsichtig sein und das merkt man seiner Dokumentation auch an. Dennoch ist „Apple Stories“ sehenswert, eben weil er überlegt und solide informiert – etwa über die Arbeitsbedingungen der Zulieferer.

Menschen, die für Apple-Zuliefer arbeiten, leben oft in großer Armut.
Sein Bestreben, Zusammenhänge zu erklären, führt Gerlach sogar in Zinnminen. Das Material ist unentbehrlich bei der Herstellung des Smartphones. Der Filmemacher sorgt sich nicht nur um die fehlenden Sicherheitsvorkehrungen beim Abbau, sondern zeigt das Drumherum und die Menschen, die das Elend auszunutzen verstehen – beispielsweise für militärische Zwecke.

Bekannt wurden schon weit im Vorfeld des Filmes die speziellen Vertragsbedingungen der Zuliefererfirma Foxconn, die den Arbeitnehmern den Selbstmord verbot, da sich tendenziell zu viele Mitarbeiter umgebracht haben. Bösartige Ironie wie diese bauscht Gerlach nicht auf. Man spürt zu jeder Zeit den Respekt, den der Filmemacher vor dem Thema hat, man könnte auch sagen: vor dem Gegner.

Dennoch hat er kleine Sensationen mit in seine Doku gepackt. Beispielsweise filmte er in einer chinesischen Fabrik, die unerlaubt iPhone-Ersatzteile produziert. Doch immer wieder geriet Rasmus Gerlach in Interessenkonflikte, musste Rücksicht nehmen und konnte natürlich lange nicht so weit ausholen, wie er es gerne getan hätte. Vor allem, wenn man an Informationen gerät wie diese: Ein iPhone, das die Lebensbedingungen der Arbeiter in Afrika und China nennenswert verbessern würde, wäre in der Produktion nur einen Euro teurer.

So wird ein Touchscreen fusselfrei.
Ein Firmenvertreter von Apple war dem Projekt zunächst wohlgesonnen, im Verlauf der Dreharbeiten habe sich dies geändert. Auch Aufnahmen von Steve Jobs, die natürlich Apple gehören, musste Gerlach entfernen.

Weit aus dem Fenster wollte oder konnte sich der Filmemacher nicht lehnen. Und das kann man verstehen. Denn David gegen Goliath ist in diesem Zusammenhang einfach untertrieben. Ein Satz von Rasmus Gerlach beschreibt die Situation passend: Wenn man sich über Jahre intensiv mit Apple beschäftigt, überrascht einen im Prinzip gar nichts mehr. Er beschuldigt niemanden. Aber vielleicht gibt er ja mal selbst ein anonymes Interview in einer Talkshow …

Text: Claudia Nitsche / Fotos: Rasmus Gerlach
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: akzeptabel
Genre: Dokumentarfilm
Freigabealter: 6
Verleih: Real Fiction
Laufzeit: 87 Min.