Der Tod im Leben

„Warum gerade dort?“, möchte man fragen. „Atmen“ (2011, auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich) gibt keine Antworten, er berichtet bloß in überzeugenden, wohlüberlegten Bildern von der Selbstfindung eines jungen Sträflings, der sich zur Bewährung in einem Bestattungsinstitut verdingt. Der Wiener Schauspieler Karl Markovics beobachtet seinen Protagonisten in seinem Regiedebüt in leisen Szenen – mit Empathie, ohne deswegen rührselig zu werden.

Der 19-jährige Sträfling Roman (Thomas Schubert) arbeitet bei einem Bestattungsunternehmen
und findet angesichts der Toten zum Leben zurück.



Erst nach harten Kommandos eines Wärters, nach allerlei Maßregelungen erfahren wir, was Roman (Thomas Schubert) getan hat. Und dass er sich auf Geheiß seines Bewährungshelfers schon vielerlei Jobs annahm. Nun also versucht er sich im harten Gewerbe eines Bestatters, rau bis zum Mobbing wird er von den neuen Kollegen der Wiener Städtischen Bestattung angefasst.

Roman, so wollte es Markovics, ist fast noch ein Kind, mit 19 steht er an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Roman wendet sich weg vom Leben, er widmet sich der Arbeit und der Fürsorge für die Toten. Vielleicht, so hofft er wohl, findet er so ins Leben zurück.

Von Thomas Schubert wunderbar unnahbar und in sich verschlossen gespielt, wird Roman irgendwann seine verblüffend junge Mutter (Karin Lischka) wiederfinden, die ihn einst in ein Waisenhaus gegeben hat. Und sie wird ihm die Geschichte erzählen, wie sie ihn als Baby fast erstickte, ihm aber in letzter Sekunde durch Beatmung das Leben wiedergegeben hat.

Immer wieder kehrt Roman (Thomas Schubert) nach dem Freigang ins Jugendgefängnis zurück
und muss sich dort untersuchen lassen.



Markovics zeichnet Romans Arbeit mit untrüglichem, genau beobachtendem Blick. Es gibt an den traurigsten, tristesten Stellen jedoch stets eine leise Komik, die aus der Hilflosigkeit gegenüber den letzten Dingen ersteht. So schwebt dieser Film zwischen Humor und Traurigkeit, zwischen Tod und Leben, ganz so wie sein Protagonist.

Die hyperrealistischen Bilder wirken auf DVD und Blu-ray Disc kühl und blass. Schärfe und Kontrast sind hervorragend, die Detailzeichnung ist auf BD etwas genauer als auf DVD. Ein leichtes Rauschen in großen Flächen ist nicht übersehbar. Der Sound wirkt auf beiden Discs sehr natürlich, die klaren Dialoge werden gut in ein atmosphärisches Surroundkorsett eingebunden. Der ordentliche Bonusteil enthält einen informativen Audiokommentar, ein feines Making Of sowie entfallene Szenen, die isolierte Filmmusik und eine Bildergalerie.

Text: Alfred Kunze / Fotos: Thimfilm
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: Meisterwerk
Freigabealter: 12
Studio: Thimfilm
Laufzeit: 90 Min.
Im Handel, ca. 17 Euro