Liebende der letzten Tage

Feiert, als gäbe es kein Morgen! Denn das gibt es wirklich nicht mehr. Oder, naja, fast: Ein riesiger Asteroid rast auf die Erde zu und wird in drei Wochen alles Leben darauf auslöschen. Ein Grund zur Verzweiflung? Och nö. Lieber erfüllen sich die Filmfiguren jetzt all die Wünsche, denen sie bisher nie nachgehen konnten, lassen die Sau raus mit Drogen, Sex und noch mehr Drogen und Sex. Andere gehen nach wie vor jeden Tag brav zur Arbeit. Und dann sind da noch die, die im wirklich letzten Moment über die große Liebe stolpern. Lorene Scafaria schickt in ihrem Regiedebüt Steve Carell und Keira Knightley „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ durch ein anfangs amüsantes, dann aber zunehmend schmalziges Endzeitszenario.


Dodges Frau (Nancy Carell) zögert nicht lange: Als im Radio das Ende der Welt verkündet wird (zusammen mit dem im Wortsinne ultimativen Classic-Rock-Countdown), steigt sie nicht nur aus dem Auto aus, sondern auch gleich aus der abgestandenen Ehe mit dem alten Langweiler (Steve Carell). Der pflegt selbst nach dieser Episode keinerlei Ausbruchsgedanken, sondern geht weiterhin seinem Job in einem Versicherungsunternehmen nach – immerhin muss man da jetzt keinen Anzug mehr tragen! Und der Posten des Finanzdirektors ist auch gerade frei geworden …

So würde der sanftmütige Erbsenzähler wohl im immergleichen Trott seinem Ende entgegengehen. Wenn da nicht seine flatterhafte Nachbarin Penny (Keira Knightley) wäre, die plötzlich eines Nachts heulend in seinem Wohnzimmer steht, weil sie den letzten Transatlantikflug in ihre englische Heimat verpasst hat. Die beiden schließen einen Deal: Penny stellt Dodge ihr Auto zur Verfügung, damit er ein letztes Mal seine erste große Liebe besuchen kann. Und im Gegenzug bringt Dodge Penny zu einem Bekannten, der ein eigenes Flugzeug hat. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg durch ein Land mitten im Nervenzusammenbruch.

Leider wird zu diesem Zeitpunkt aus der Endzeitsatire eine öde Schmonzette. Penny und Dodge klappern so ziemlich jede obligatorische Roadmovie-Station ab: Sie treffen auf einen unheimlichen Fremden, geraten fast in eine Orgie und landen irgendwann zwischendurch auch im Gefängnis. Und dabei kommen sich die ungleichen Reisegefährten natürlich unweigerlich näher. Immerhin gibt Steve Carell, der ja mittlerweile jede Menge Erfahrung hat mit verzagten, aber herzensguten mittelalten Männerrollen, einen ganz hervorragenden verzagten, aber herzensguten mittelalten Mann. Keira Knightley tut sich da mit ihrer Penny (Sie liebt Schallplatten! Sie trägt ulkige Mäntel! Sie ist Narkoleptikerin! Echt schrullig.) deutlich schwerer, was nicht unbedingt alleine ihr anzulasten ist. Wirkliche Chemie kommt zwischen den beiden engagierten Schauspielern nur selten auf. Umso ärgerlicher also, dass Scafaria sich auf die Reise der beiden konzentriert – wo doch die Nebenschauplätze viel interessanter, da wesentlich seltener erzählt sind.


Die Regisseurin zeichnet zu Beginn ein wirklich unterhaltsames Tableau menschlicher Übersprungshandlungen. Zugegeben, viele davon waren genau so auch schon im ziemlich wundervollen kanadischen Endzeitdrama „Die letzte Nacht“ (1998) zu sehen, aber der Film ist unbekannt genug, um sich daraus ohne größere Bedenken bedienen zu können. „Auf der Suche …“ ist also kein Remake, sondern eine Hommage. Das zeigt sich auch daran, dass Scafaria den todbringenden Asteroiden „Matilda“ getauft hat – ein kleiner Querverweis auf den Weltuntergangsklassiker „Das letzte Ufer“ (1959), in dem das australische Volkslied „Waltzing Matilda“ eine große Rolle spielt. Schade nur, dass nicht alle Versatzstücke, aus denen sie ihren Film zusammenschraubt, die gleiche Qualität haben.

Text: Sabine Metzger / Fotos: Universal
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: Seeking a Friend for the End of the World
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Universal
Laufzeit: 101 Min.