Mr. Darcy gesucht

Auf einmal kann sich die kleine Angestellte Jane Hayes (Keri Russell, „Bedtime Stories“) vor attraktivem männlichen Zuspruch kaum retten. Mit dem distinguierten Mr. Henry Nobely (JJ Feild) führt sie geistreiche und prickelnde Konversation. Colonel Andrews (James Callis) wirft schon mal feurige Blicke herüber. Captain George East (Ricky Whittle) erzählt gar von Piraten und küsst sich an ihrem Arm hinauf. Schade, dass das alles nur in „Austenland“ passiert, dem Themenpark, der dieser gefühlvoll satirischen Komödie ihren Titel gibt, und alle Männer darin bloß Schauspieler sind – bis auf einen …

Jane (Keri Russell) bringt frischen Wind in die Jane-Austen-Gesellschaft.

 

„Austenland“ macht die Probe aufs Exempel, dass es womöglich keine große Liebe ohne nostalgisches Flair gibt. Heldin Jane ist dafür Extrembeispiel. Mit Männern aus der Wirklichkeit von heute kann die 30-jährige New Yorkerin wenig anfangen. Umso intensiver träumt sie von den Edelmännern aus den Romanen der romantischen Autorin Jane Austen, die sie so sehr verehrt, dass sie ihre Wohnung im Stil des frühen 19. Jahrhunderts eingerichtet hat.

Aus der Zeit gefallen: Jane (Keri Russell) und Elizabeth (Jennifer Coolidge, rechts) reisen nach "Austenland".

 

Konsequenterweise gibt sie ihre Ersparnisse daran, in „Austenland“, der perfekten Rekreation der Jane-Austen-Welt im fernen England, ihr persönliches Glück zu finden. Doch das strenge Regime der Themenpark-Vorsteherin Mrs. Wattlesbrook (Ex-Bond-Girl Jane Seymour) macht ihr zu schaffen. Ihre Reisebekanntschaft Miss Elizabeth Charming (Jennifer Coolidge, „Natürlich blond“) ist liebenswürdig, aber vulgär. Immer nur zu sticken und auf die Rückkehr der Männer von der Jagd zu warten, wird langweilig.

 Warten auf ihren Mr. Darcy: (von links) Elizabeth (Jennifer Coolidge), Jane (Keri Russell) und Amelia (Georgia King).

 

Die romantische englische Literatur ist zu populär, als dass ein Film wie Jerusha Hess’ „Austenland“ fehlen dürfte. Wohl nicht zufällig hat die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Shannon Hale Stephenie Meyer produziert, die in ihrer „Twilight“-Saga auch die Romane von Jane Austen raffiniert recycelt. „Austenland“ begeistert über weite Strecken mit amüsanten Verwicklungen, burlesken Zwischenspielen, glücklich machenden amourösen Täuschungen und Enttäuschungen und einer herrlich hartnäckigen Eifersucht zwischen zwei Verehrern. Aber die Unsicherheit darüber, wie viel Vergangenheitsromantik tatsächlich zumutbar ist, beschränkt den Film in seinen Möglichkeiten.

© 2013 Sony Pictures Releasing GmbH

 

Wie so oft wäre weniger manchmal mehr. Die Hauptfigur bis zur Karikatur als Jane-Austen-Fan zu überzeichnen, wäre nicht nötig gewesen. Keri Russell, die sich in manchen Szenen nur mit einem überentzückten Augenrollen behaupten kann, ist dem nicht gewachsen. Zweifellos soll die unentwegt gespielte Popmusik der 1980er-Jahre eine emotionale Verbindung mit dem (weiblichen) Zielpublikum stiften, verrät aber auch, dass man anderen, leiseren Mitteln nicht genug vertraut. Das niedliche Finish, das Janes Seufzer, alle großartigen Männer seien nur Fiktionen, ganz wundersam bestätigt und zugleich herzerwärmend dementiert, entschädigt jedoch für vieles. „Austenland“ bewährt sich trotz Plattheiten als kuscheltaugliche Kinokost.

 

Text: Andreas Günther / Fotos: 2013 Sony Pictures Releasing GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Austenland
Genre: Komödie
Freigabealter: o.A. (ohne Altersbeschränkung)
Verleih: Sony
Laufzeit: 97 Min.