Berlin sehen – und vögeln

„Man muss schon nach Berlin fahren, um ordentlich durchgefickt zu werden!“ – „Berlin für Helden“ (2012) ist ein Klaus-Lemke-Film. Er, der „andere“ deutsche Autorenfilmer, der sich als letzten unabhängigen Filmemacher sieht, setzt weniger auf eine stringente Geschichte, als vielmehr auf ein zu transportierendes Gefühl. In diesem Fall eines, das für Berlin steht: chaotisch; anziehend wie abstoßend; arm, aber sexy. Zackige Dialoge gibt’s ebenso, wie vor sich hinfliegende Einzeiler, die eine ganze Generation auf den Punkt bringen: „Ich bin total verliebt in meinen neuen Lipstick!“ Nach einer kurzen Kinoauswertung – stilgerecht mit provozierendem Zeigt-euren-Hintern-PR-Stunt während der Berlinale, weil der Film nicht zugelassen wurde – erscheint das neueste Werk des Filmrebellen Lemke nun auf DVD.


Es gibt natürlich eine Handlung, die ist aber so wenig logisch wie wichtig. Henning (Henning Gronkowski) und Anna (Anna Anderegg) kommen für ein Wochenende nach Berlin, trennen sich vor Ort, lernen Saralisa (Saralisa Volm), den Italiener Marco (Marco Barotti) und den Schauspieler Andreas (Andreas Bichler) kennen, wandern durch verschiedene Betten, treffen wieder aufeinander, gründen wahnwitzige Bands/Lieferunternehmen/Filmproduktionen und sind am Ende da, wo sie am Anfang waren: im Auto. Anfangs spannender, im Verlauf aber zunehmend ermüdender als die Handlung sind die recht intensiven Schauspielleistungen, Gespräche und Typen des Films. „Berlin für Helden“ ist nichts für jedermann, hier und da auch deutlich zu aufgeregt – vielleicht passt das aber sogar wirklich zur Stadt.

Optisch treten vor allem die knalligen Farben hervor. Sie kaschieren auch ein wenig das grobe, recht unscharfe Bild der DVD. Die wackelige Handkamera-Optik verursacht störende Artefaktbildungen. Der DD-2.0-Mix ist in Ordnung: Dialoge werden klar und verständlich wiedergegeben, ein großer Raumklang baut sich natürlich nicht auf. Ein recht kurzweiliger Audiokommentar von Klaus Lemke und zwei Featurettes, eines davon zur Berlinale-Aktion, runden den soliden Bonusteil ab.

Text: Sebastian Srb / Fotos: Senator
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: überzeugend
Freigabealter: 16
Studio: Senator
Laufzeit: 79 Min.
Ab 7.12. im Handel, ca. 14 Euro