Wir scheiden umschlungen

Normalerweise hat Trendexpertin Celeste (Rashida Jones, „The Social Network“) den Durchblick: Yuppies kann sie auf den Kopf zusagen, warum sie Mainstream-Smartphones meiden und sich keinen Sportwagen der legendären Marke aus Sindelfingen zulegen werden. Doch dass sich ihr Ex-Mann Jesse (Andy Samberg, „Der Chaos-Dad“) in eine andere Frau verliebt hat, während er praktisch noch bei ihr wohnt, ja sogar Vater wird – das ahnte Celeste bis jetzt nicht einmal. Was soll sie tun? Alles so hinnehmen? Einen Zickenkrieg vom Zaun brechen? Sich trotzig ins Dating-Abenteuer stürzen? Mit viel Humor und Ironie widmet die Komödie „Celeste & Jesse“ sich diesen Fragen.


Die quirlige Alpha-Frau Celeste ist eifersüchtig auf ihre Nebenbuhlerin Veronica (Rebecca Dayan, „From Paris With Love“) und darf es eigentlich nicht sein. Denn die Scheidung von dem arbeitslosen Jesse ist längst eingereicht. Sex gibt es bei ihnen zwar noch, aber nur in skurril sublimierter Form. Nur mag Celeste weder die vielen Rituale des Zusammenseins aufkündigen noch auf die gemeinsam entwickelten Insiderjokes verzichten.

Dabei herrschte eigentlich schon lange Stagnation. Während Celeste spätestens mit dem Coverentwurf für das Debütalbum des kapriziösen Teenie-Stars Riley (Emma Roberts) etwas zu sehr im Job aufging, suchte sich Grafiker Jesse keinen neuen, guckte lieber Gewichtheben im Fernsehen oder brütet über seiner künstlerisch höchst ambitionierten Wäscheklammercollage. Trotz seiner Liebe zu Veronica kommt er dennoch nicht recht von Celeste los. „Wir scheiden umschlungen“, hat der Dichter Paul Celan solche Paar-Konstellationen auf den Punkt gebracht.

Verzwickt ist die Sache – und heiter. Lee Toland Kriegers Inszenierung ist so flott und lässig, dass man den Film sofort noch einmal sehen möchte. Der geschliffene Witz des Drehbuchs und das grandiose Timing der Komödianten begeistern schlicht. „Bitte schau nicht auf das, was ich anhabe“, sagt Celeste zu Jesse und meint ihre merkwürdige Strickjacke. „Ja“, sagt Jesse langsam, „du siehst aus wie eine verrückte Katzenfrau.“


Rashida Jones die zusammen mit Will McCormack das Drehbuch schrieb, bringt die Schlagfertigkeit ihrer Figur in wunderbare Spannung zum Herzweh. Mit Co-Star Samberg bildet sie ein Stand-up-Comedian- und gleichzeitig Charakterdarsteller-Duo, das man sich ebenso bekannt wünscht wie „Herr der Ringe“-„Frodo“ Elijah Wood, der in einer Nebenrolle als schwuler Trendagentur-Chef Scott brilliert.

Das Ensemble spielt kalifornische Hipster, Kreative, Trendsetter, Bohemiens oder wie immer man sie nennen will, die, wenn es so etwas gibt, auf intelligente Weise gut aussehen. In ihrem (pop-)kulturellen Prestigegehabe könnten sie Enkel von Woody Allens Stadtneurotikern sein. Aber so eine Geschichte und solche Pointen wie in „Celeste & Jesse“ fallen Allen schon seit Jahrzehnten nicht mehr ein. Meisterlich verspielt und doch realitätsnah wie einst die Komödien von Frank Capra, klug und peppig, charmant und frech überragt „Celeste & Jesse“ die Lustspiel-Landschaft.

Text: Andreas Günther / Fotos: DCM
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: Meisterwerk
Originaltitel: Celeste And Jesse Forever
Genre: Komödie
Freigabealter: 0
Verleih: DCM
Laufzeit: 96 Min.