Sau im Schafspelz

„Petri Heil!“ gilt für Fischer Jafaar (Sasson Gabay) schon lange nicht mehr: An Stelle von Meeresgetier zieht er ausgelatschtes Schuhwerk aus dem Ozean. Das füllt weder seinen knurrenden Magen noch lässt es sich zu Geld machen. Als allerdings ein Borstenvieh in seinem Netz landet, wittert der Frustrierte seine große Chance. Er hat die Rechnung jedoch ohne das Schwein und seine verbohrten Mitmenschen im Gazastreifen gemacht. – Regiedebütant Sylvain Estibal betritt mit seiner Komödie „Das Schwein von Gaza“ (2011), die nun auf DVD und Blu-ray Disc erscheint, gefährliches Terrain – und zwar wunderbar leichtfüßig. Intelligent und ironisch erzählt er von einem unreinen Tier, das theoretisch nur Unglück bringen kann.


Loswerden will Jafaar das Vieh – und das möglichst schnell. Doch weder der deutsche UN-Beamte (Ulrich Tukur) noch einer seiner Kumpane möchte ihm den Paarhufer abnehmen. Also ist Erfindungsreichtum gefragt. Man könnte ja nur Teile des Tieres verkaufen, beispielsweise sein Sperma, und heiligen Boden müsste es nicht berühren, wenn es Socken tragen würde. Jafaars Ideen zur angemessenen Integration des Schweins in eine feindliche Gesellschaft gehen sogar so weit, dass er es als Schaf tarnt – das ist gleichermaßen rührend wie reizend.

Mit Sasson Gabay hat Regisseur Estibal einen ausgezeichneten Schauspieler an Bord – einen, der wie gemacht ist für die Rolle des liebenswerten Verlierers. Doch nicht nur der findige Fischer lässt diese Komödie zum Geheimtipp avancieren: Es ist auch das herrlich eigenwillige Schwein, das hier als Friedenstaube eingesetzt wird.


Gedreht wurde nicht im Gazastreifen, sondern auf Malta. Die Insel präsentiert sich auf Blu-ray Disc in satt-erdigen Ockertönen, die auf DVD einen zu starken Gelbanteil aufweisen. Kontrast und Schärfe wurden auf beiden Discs gut umgesetzt. Die DVD zeigt ein feines Bildkorn. Der Sound fällt auf beiden Scheiben zu frontlastig aus, gibt Dialoge aber klar und deutlich wieder. Das einzige interessante Extra ist der Audiokommentar.

Text: Maja Daebel / Fotos: Alamode Film
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Freigabealter: 12
Studio: Alamode
Laufzeit: 94 Min.
Ab 15.2. im Handel, ca. 13 Euro