Immer wieder auf Anfang

Aus dem verflixten siebten Jahr ist im 21. Jahrhundert „Das verflixte 3. Jahr“ geworden: Studien haben gezeigt, dass sich in modernen Beziehungen nach diesem Zeitraum meist die trennungsheikle Phase einstellt. Im gleichnamigen Film greift der französische Bestseller-Autor und jetzt auch Regisseur Frédéric Beigbeder („39,90“) einen Trend auf. Beigbeder gelingt zu diesem Thema eine spritzige romantische Komödie, deren Zynismus und hämische Scharfzüngigkeit dadurch gemildert wird, dass jeder neue Anfang die Hoffnung auf eine ewig währende Liebe als emotionaler Halt im Leben mit sich bringt.

Mit Alice (Louise Bourgoin) scheint diesmal alles anders für Marc (Gaspard Proust) zu werden.


Der Schauspieler Gaspard Proust, eine Art Hugh Grant für Franzosen, gibt in „Das verflixte 3. Jahr“ den Literaturkritiker Marc Marronnier: „Das bin ich. Nur noch viel schlimmer“, gesteht der Autor Frédéric Beigbeder. Marronnier peppt sein Leben dadurch auf, dass er abends als Gesellschaftskolumnist durch die Pariser Clubs tingelt. Feiern, schöne Frauen und allerlei Rauschmittel – eine Welt, in der für Liebe eigentlich kein Platz ist. Und wenn sich die Zärtlichkeiten des Partners wie ein Streicheln mit einem Gummihandschuh anfühlen, schrillen bei den meisten Menschen nun mal die Alarmglocken.

„Jetzt dürft ihr euch für ewig hassen“ – diese Worte des Scheidungsrichters begleiten Marronnier nach einem kurzen Prozess für seine Ehe mit der wunderschönen Anne (Elisa Sednaoui), die – wir ahnen es – das dritte Jahr nicht überdauerte. Mit einem gekränkten Ego und einer „Ich hab es ja gleich gewusst“- Haltung macht sich der Geschiedene ans Schreiben eines Pamphlets mit zynischen Aphorismen über die Unmöglichkeit der Liebe.

Das vor Selbstmitleid triefende Werk findet nach langer Suche einen Verlag und scheint eine Sensation auf dem Buchmarkt zu werden. Während „Das verflixte 3. Jahr“ in aller Munde ist, verliebt sich Marc in die sexy-schlagfertige Frau (Louise Bourgoin) seines Cousins (Nicolas Bedos) und lässt nicht locker, bis er sie für sich gewinnt. Allerdings ahnt Alice nicht, dass er der Verfasser der Machosprüche im dem neuen Buch ist, über das tout Paris spricht, – es wurde unter Pseudonym veröffentlicht. Für Marc und Alice beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel.

Marc (Gaspard Proust) ist ein Partylöwe.


In der Verfilmung seines eigenen Romans aus dem Jahr 1997 gelingt es Frédéric Beigbeider trotz des gewählten Genres, über Liebe und Romantik zu sprechen, ohne dabei kitischig zu werden. Das funktioniert vor allem über die vielen interessanten und äußerst schrägen Nebenfiguren wie seine sexuell experimentellen Kumpels, seine feministische Mutter oder seine knallharte Verlegerin. Viele der meist gelungenen Gags und wirklich lustigen flotten Sprüche neutralisieren sentimentale Situationen.

Dabei siedelt sich der Debütant mit seiner Inszenierung irgendwo zwischen Woody Allens intellektueller Neurotik, der Respektlosigkeit britischer Komödien und der Vulgarität der amerikanischen Farrelly-Brüder an. Das alles aber zutiefst französisch, mit einem Humor, bei dem man lieber mal über die anderen als sich selber lacht. Bei alledem darf dieser Film auch gut aussehen: Die Wahl der Locations entzückt – mondäne Großstadt hier, wunderschöne baskische Atlantikküste dort. Spätestens aber, wenn Filmmusikkomponist und Sänger Michel Legrand am Strand in die Tasten seines Pianos haut, scheint aller Zynismus verflogen. Verrät sich der coole Popliterat am Ende doch selbst?

Text: Diemuth Schmidt / Fotos: 2012 Prokino Filmverleih GmbH / Magali Bragard
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: L’ amour dure trois ans
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Prokino
Laufzeit: 97 Min.