Bunter Liebessturm unterm Fernsehturm

So ritterlich sein Name klingt, dieser Lanzelot hätte sicherlich Schwierigkeiten, sein Schwert zu führen – wenn er zuvor nicht schon unter der Last seiner Rüstung zusammengebrochen wäre. Dieser Lanzelot ist 25, Biologie-Student und faltet lieber Papier. Die Regie in seinem Leben überlässt er seinem Mitbewohner, der ihm aus dem Internet Frauen anschleppt. Eine schlechte Idee! Ganz im Gegensatz zu der Entscheidung, den Schweizer Regisseur Oliver Rihs („Schwarze Schafe“) für die Sommerkomödie zu engagieren.


Viele bogen sich vor Lachen, als „Shoppen“ vor fünf Jahren den Begriff des Speed-Datings näher erklärte. Oliver Rihs macht eigentlich da weiter, wo Regisseur Ralf Westhoff mit seinen Münchner Singles aufgehört hat. Nur kümmert er sich nicht um eine Gruppe Liebessuchender, sondern lediglich um eine Person – Lanzelot aus Berlin. Peter Weiss spielt den unglücklichen Studenten und steht bei der Dating-Komödie permanent im Mittelpunkt. Die Verantwortung für Geling und Verderb lastet also zu großen Teilen auf seinen schmalen Schultern. Ein großes Risiko ging Regisseur Rihs damit jedoch nicht ein: Der blasse Hauptdarsteller empfiehlt sich hier wie schon 2010 neben Clemens Schick in der Romanze „Cindy liebt mich nicht“. Ein Filmtitel übrigens, mit dem sich bei Austausch des Frauennamens auch einige Kapitel von „Dating Lanzelot“ benennen ließen.

„Dating Lanzelot“ ist eine kleine Komödie, die klar strukturiert von den Treffen mit neurotischen Frauen in einem kleinen Café erzählt. Sauber in Episoden unterteilt laufen die Verabredungen ab, die Lanzelots Mitbewohner Milan (Manuel Cortez) klarmacht. Extrovertiert und selbstverliebt sortiert er die Damen vor, von der „Süßen Maus“ bis „Schneewittchen“. Wir durchstolpern die Psyche blockierter Mädchen, lernen die Bedürfnisse alleinerziehender Mütter kennen und machen – wir sind ja in Berlin – Bekanntschaft mit den Wirkungen von Drogen.


Das ist leichte, amüsante Kinokost. Nicht immer wahnsinnig originell oder in irgendeiner Weise anspruchsvoll, aber man begleitet Lanzelot gern, egal wohin er abdriftet. Sehr schön sind die scherenschnittähnlichen Übergänge zur nächsten Idee, wirklich gewagt dann der Schlussakkord. Das Ende wird für Staunen und Raunen im Publikum sorgen. Gerne wäre man bei der „Können wir das wirklich machen?“-Diskussion im Vorfeld dabei gewesen. So ein bunter Liebessturm weht nicht alle Tage unterm Fernsehturm. Dafür musste wohl erst ein Schweizer kommen.

Text: Claudia Nitsche / Fotos: Port-au-Prince
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: ausgezeichnet
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Port-au-Prince
Laufzeit: 93 Min.