Verschlusssache Gatsby

Eine lästige Angelegenheit ist so ein Berichterstattungsembargo ja immer. Doch im Fall von „Der große Gatsby“ muss die Sinnhaftigkeit der vom Studio verhängten Sperrfrist schon sehr angezweifelt werden: Es ist ja schön und gut, dass die Vorfreude auf den diesjährigen Eröffnungsfilm der Filmfestivalspiele von Cannes aufrechterhalten werden soll. Doch was nützt es, die europäische Presse bis zum 15. Mai zum Stillschweigen zu verpflichten, wenn „Der große Gatsby“ bereits am 10. Mai regulär in die US-Kinos kommt? Während Baz Luhrmanns Adaption des F.-Scott-Fitzgerald-Klassikers in der amerikanischen Filmpresse also bereits Thema Nummer eins ist, muss die hiesige noch bis zum Tag vor dem Kinostart Unwissenheit markieren.

Szene mit Carey Mulligan.
Irgendwo im tiefsten Sibirien fasste Baz Luhrmann den Entschluss, das wohl berühmteste Werk über das dekadente New York der 1920er zu verfilmen: Nachdem der Australier seine Pläne für ein Biopic über Alexander den Großen begraben musste, löste er ein Ticket für eine Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn – eine Hörbuchversion von F. Scott Fitzgeralds „Der große Gatsby“ war sein Reisebegleiter.

Die Geschichte des titelgebenden Millionärs, der um jeden Preis seine große Liebe, die unglücklich verheiratete Daisy zurückgewinnen will, scheint tatsächlich wie dafür gemacht, ein Luhrmann-Film zu werden: Wer die Belle Époque so rauschend wieder aufleben lassen kann wie Luhrmann 2001 in „Moulin Rouge“, sollte kaum Probleme haben, den Glanz der „Goldenen Zwanziger“ auf der Leinwand abzubilden – zumal Luhrmanns oscarprämierte Ehefrau Catherine Martin damals wie heute für Austattung und Kostüme zuständig ist. Und gemeinsam mit seinem bewährten Co-Autor Craig Pearce stellte der 50-jährige ja auch schon eine sehr mutige Adaption von „William Shakespeares Romeo + Julia“ (1996) auf die Beine, in der sich der klassische Stoff überraschend harmonisch mit modernen Bildern und rockigem Soundtrack verband.

Seinen Romeo von damals, den heutigen Superstar Leonardo DiCaprio, musste Luhrmann nicht lange überreden, auch die Titelrolle in seiner neuen, von Rapper Jay-Z mitproduzierten Literaturverfilmung zu übernehmen. DiCaprio brachte zudem noch seinen nicht minder berühmten Kumpel Tobey Maguire mit: Der spielt nun Gatsbys Nachbarn Nick Carraway, der wie der Zuschauer ein Neuling in jener dekadenten, vergnügungssüchtigen Gesellschaft ist, die in Buch und Film betrachtet wird. Carraway ist es auch, der den geheimnisvollen Lebemann wieder mit seiner alten Flamme Daisy (Carey Mulligan, „Drive“) in Kontakt bringt, die inzwischen den reichen, aber untreuen Tom Buchanan (Joel Edgerton) geheiratet hat. Ein Wiedersehen, das noch tragisch enden soll.

Tobey Maguire (links), Leonardo DiCaprio, Carey Mulligan und Joel Edgerton (rechts).
Obwohl die theoretischen Voraussetzungen für einen Blockbuster besser kaum hätten sein können, verlief die Produktion alles andere als reibungslos: Als sich herauskristallisierte, dass das Drama wohl mehr als die angedachten 80 Millionen US-Dollar verschlingen würde, zog das ursprünglich verantwortliche Studio die Notbremse. Mit Warner wurde zwar ein neuer Geldgeber gefunden, doch aus Kostengründen konnte der Film, der in New York spielt, nicht in New York gedreht werden – Luhrmann wich in seine Heimatstadt Sydney aus, die bald darauf sowohl vom Regen als auch von Paparazzi überflutet wurde. Haben sich all die Strapazen gelohnt? Das bleibt bis 15. Mai ein offenes Geheimnis …

Text: Annekatrin Liebisch / Fotos: 2013 Bazmark Film / Warner
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: keine Wertung
Originaltitel: The Great Gatsby
Genre: Drama
Freigabealter: 12
Verleih: Warner
Laufzeit: 142 Min.