Stadtmensch trifft Landeier

Die Provinz ist öde – davon ist Werbefachmann Tim Tozzi (André Köhl) überzeugt. Schließlich gibt es gute Gründe, weshalb er seine erfolgreiche Agentur nicht in der beschaulichen saarländischen Heimat, sondern in der pulsierenden Großstadt München aufzog. Dann verschlägt es ihn jedoch unverhofft zurück in die Pampa. Für „Der Männerclub – Denn Freundschaft ist mehr als bloß Freundschaft“ (2012) schlachteten die Regisseure und Drehbuchautoren André Köhl und Achim Wendel so ziemlich jedes alberne Stadt-Land-Klischee aus, das sie finden konnten. Auf die Dauer nervt das gehörig – nicht zuletzt, weil der liebevoll-ironische Blick auf die Vorurteile gänzlich fehlt. Der Film erscheint nun als DVD-Premiere.

Echte Männerfreundschaften werden auch im Saarland mit Bier besiegelt (von links):
Maus (Christian Merkel), Karl (Sascha Waack), Tim (André Köhl) und Vitali (Michael Simon).



Hier der selbstverliebte Großstadtschnösel, Weinkenner und Gourmet – da die tumben Dorftypen, deren größtes Glück eine Flasche Bier und eine Wurst vom Grill ist. Die Ausgangsbasis für einen schlagfertigen Culture-Clash ist vorhanden, allein an der Umsetzung mangelt es: Die knapp 60-minütige Story verkommt zu einem lahmen, vorpubertären Geplänkel. Nur die Eigenheiten des saarländischen Dialekts sorgen gelegentlich für Amüsement.

Den konturlosen Figuren und dem banalen Plot gelingt es hingegen nicht, den einen oder anderen Lacher zu provozieren. Ein bisschen Krimi, ein bisschen Vergangenheitsbewältigung, ein bisschen Buddy-Movie: Köhl und Wendel konnten sich offenbar nicht entschließen, wohin sie mit ihrer Geschichte wollten. Das Resultat ist ein unstrukturiertes Filmchen mit der lapidaren Botschaft, dass hinter jeder rauen Schale ein ganz sensibler Kern schlummert.

Mein Haus, mein Auto, mein Boot ...
Vor nicht allzu langer Zeit schwamm Tim (André Köhl) noch im Geld.



Immerhin ist die Optik der DVD recht solide: Die warmen Farben wirken etwas grell. Kontrast und Schärfe wurden angemessen herausgearbeitet. In den Details schwächelt die Disc ein wenig. Der Sound liegt lediglich als Stereo-Spur vor: Die Dialoge sind viel zu laut, und die Hintergrundmusik bleibt zu wenig präsent. Im Bonusteil findet sich neben einem langweiligen Audiokommentar lediglich ein uninteressantes Making Of.

Text: Christina Freko / Fotos: Brainpool
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: akzeptabel
Freigabealter: 12
Studio: Brainpool
Laufzeit: 59 Min.
Im Handel, ca. 14 Euro