Die Republik aus der Vogelperspektive

Die BBC machte es vor: Kinoerfolge wie „Unsere Erde“ (2008) oder „Unser Leben“ (2012) entstanden aus umfangreichen TV-Dokumentationen. Auch „Deutschland von oben“ gab es zunächst im Rahmen der „Terra X“-Reihe beim ZDF zu sehen. Auf der großen Leinwand entfalten die teils spektakulären Luftaufnahmen nun ihre ganze Wirkung und zeigen den deutschen Kinozuschauern ihre Heimat aus überraschenden neuen Blickwinkeln: Die Vogelperspektive verwandelt die Halligen in karibische Inseln, das Braunkohlerevier in der Lausitz in eine gespenstische Mondlandschaft und die Stadt Regensburg zurück in ein Römerlager.

Von den Alpen bis zur Küste waren Petra Höfer und Freddie Röckenhaus für ihren Film unterwegs.


Mehr als 300 Stunden Material standen Petra Höfer und Freddie Röckenhaus für ihren Film zur Verfügung, aufgenommen mit einer am Helikopter befestigten Hightech-Kamera. Kein Wackler stört den Fluss der Bilder, die sich mit Musikuntermalung vor den Kinozuschauern ausbreiten. Der Soundtrack wurde eigens für die Kinoversion von Boris Salchow komponiert und von einem 70-köpfigen Sinfonieorchester eingespielt. Zwischen dramatisch-düsteren Klängen beim Flug über die Alpengipfel und schwelgerischen Melodien, wenn die Wildpferde mit wehender Mähne über die Weide galoppieren, gönnt die Musik dem Publikum kaum eine Atempause und lenkt damit manchmal eher ab, statt den Eindruck der Aufnahmen zu unterstreichen.

Um der Bilderflut einen Rahmen zu geben, orientiert sich der Film am Jahresverlauf. Verschneite, windumtoste Alpengipfel und Eisschollen im Hamburger Hafen zeugen von winterlichen Naturgewalten. Doch bald kommt der Frühling und mit ihm der Sonnenschein. Segelflieger kreisen über einem Schachbrettmuster aus Feldern, Wiesen und Waldstücken. „Deutschland von oben“ beschränkt sich aber keineswegs darauf, die Naturschönheiten des Landes ins Bild zu setzen. Großstädte, die Industriezentren des Ruhrgebiets oder der Dampfpilz über dem Atomkraftwerk Gundremmingen standen genauso auf dem Flugplan. Der Perspektivwechsel bringt jedoch ein erstaunliches Phänomen mit sich: Aus der Luft betrachtet entfaltet selbst der Braunkohleabbau in der Lausitz seinen Reiz: unirdisch erstreckt sich die leblose Landschaft bis zum Horizont – ein fesselnder, wenn auch düsterer Anblick. Zum Ausgleich stattet man den sonnenbadenden Robben auf Helgoland einen Besuch ab.

Im Merfelder Bruch, in direkter Nachbarschaft zur Industriehochburg des Ruhrgebiets,
leben die letzten Wildpferde Deutschlands.



Berge und Meer, Herbstwälder und sommerliche Seen, Großstädte, Kleinstädte in ihren mittelalterlichen Mauern, Basejumper, Fallschirmspringer, Wildgänse im Flug – es gibt viel zu sehen in Deutschland. Auf rund 60 Drehorte bringt es der Film. Kein Wunder, dass dabei jedes Thema nur gestreift wird und sich der Informationsgewinn in Grenzen hält. Viel über Deutschland erfahren hat der Betrachter am Ende der Dokumentation nicht. Aber er hat ein paar gute Anregungen für das nächste Urlaubsziel bekommen.

Text: Barbara Keil / Fotos: Universum Film
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: überzeugend
Genre: Dokumentarfilm
Freigabealter: 0
Verleih: Universum
Laufzeit: 110 Min.