Heiligsblechle, die Schwaben kommen!

Der Heimatfilm erlebt seit geraumer Zeit sein Revival. Zumindest auf der Leinwand ist man wieder stolz auf die eigene Herkunft, die sich vor allem durch dialektale Eigenheiten manifestiert. Großes Vorbild: Marcus H. Rosenmüllers urbayerischer Überraschungserfolg „Wer früher stirbt ist länger tot“ (2006). Auch die bajuwarische Telefonsex-Komödie „Eine ganz heiße Nummer“ von Markus Goller entpuppte sich unlängst als Publikumsrenner. Mit „Die Kirche bleibt im Dorf“ kommt nun eine Mundartkomödie aus dem Ländle ins Kino, die zwei verfeindete Ortschaften gehörig aufs Korn nimmt.

Fremde in der Dorfwirtschaft: Der Amerikaner Howard Jones (Gary Smith, links)
und sein deutscher Begleiter (Peter Jordan).



Der Streit zwischen den schwäbischen Gemeinden Unterrieslingen und Oberrieslingen schwelt schon seit Jahrhunderten. Schließlich hat die eine den Friedhof, die andere aber die Kirche – und beides muss nun mal geteilt werden. Ein Schlagloch an der Dorfgrenze und die unglückselige Beerdigung der Mutter des Bürgermeisters sorgen erneut für einen Eklat unter den Bewohnern. Ausgerechnet in dieser angespannten Situation taucht auch ein steinreicher Amerikaner (Robert-Redford-Kopie Gary Smith) auf, der sich für die unscheinbare Dorfkirche interessiert und diese für viel Geld kaufen will.

Den Häberle-Schwestern Maria (Natalia Wörner) und Christine (Karoline Eichhorn) sind dieser Kerl und sein Bilderbuch-preußischer Begleiter (Peter Jordan) jedenfalls nicht geheuer. Wobei Klara (Julia Nachtmann), die jüngste von ihnen, ihre eigenen Probleme hat, weil sie doch den Schweinebauern Peter (Hans Löw) aus dem verfeindeten Dorf liebt. Mit dieser Liaison sind freilich weder Klaras Vater (Christian Pätzold) noch Peters Mutter (Elisabeth Schwarz) einverstanden.

Regisseurin Ulrike Grote, die in der Vergangenheit als Darstellerin und Drehbuchautorin in Erscheinung getreten ist, hat sich für ihr Kino-Regiedebüt viel vorgenommen: Frei nach Motiven von „Romeo und Julia“ erzählt sie eine turbulente Geschichte über die Fehde zweier rivalisierender Dörfer, deren Einwohner recht kauzige Charaktere sind. Liebenswert sind sie natürlich trotzdem – da können sie noch so viel fluchen. Der Humor dieses hoffnungslos überdrehten Lustspiels resultiert vor allem aus dem herrlichen schwäbischen Wortwitz. Sofern man ihn denn versteht.

Gottesmann auf Abwegen: Pfarrer Schäuble (Ulrich Gebauer) schaut öfter tief ins Glas.


Dass der Film, der im Grunde schwäbisches Volkstheater ist, insgesamt dann doch nicht ganz so „luschtig“ ist, liegt daran, dass man ihm jederzeit anmerkt, dass er unbedingt komisch sein will – auch die Musik trägt zu dick auf. Der SWR jedenfalls ist vom Erfolg von „Die Kirche bleibt im Dorf“ überzeugt: In diesem Winter startet dort, ebenfalls unter der Regie von Ulrike Grote, die gleichnamige Serie, die erklären wird, warum im Ländle dicke Luft ist.

Text: Heidi Reutter / Fotos: Camino Filmverleih
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: akzeptabel
Genre: Komödie
Freigabealter: 6
Verleih: Camino
Laufzeit: 97 Min.