Viel Kulisse, wenig Kino

Top-Spion Grégory Lioubov (Jean Dujardin) ist ein Meister seines Fachs. Professionell, smart, mit allen Wassern gewaschen. Vom russischen Geheimdienst erhält Lioubov den Auftrag, den mächtigen Oligarchen Rostovski (Tim Roth) zur Strecke zu bringen. Der Plan: Rostovski soll bei verbotenen Finanzgeschäften überführt werden. Als Maulwurf heuert der Geheimdienst dazu Traderin Alice (Cécile de France) an. Große Emotionen zwischen Hochfinanz und Geheimdienst-Geschacher – das ist der Stoff, aus dem schon mancher Thriller gestrickt wurde. Auch der französische Film „Die Möbius Affäre“ setzt auf diese exquisite Mischung. Hinzu kommen die mondäne Kulisse Monacos und ein hochkarätiges Ensemble.

Szene mit Jean Dujardin.
Die kluge wie eigensinnige Finanzexpertin Alice war einst mitverantwortlich für die Lehman-Pleite und musste die USA verlassen. Der Deal mit dem Geheimdienst soll ihr Ticket zurück in die Staaten sein. Spion Lioubov bleibt während der Aktion im Hintergrund, koordiniert den Coup – bis sich Alice anscheinend nicht mehr an die Regeln hält. Lioubov muss eingreifen und begeht dabei selbst einen Tabubruch: Er nähert sich Alice. Es folgt eine stürmische Affäre, die für beide zum Problem wird: Alice hat endgültig das Misstrauen von Rostovskis Sicherheitschefs geweckt. Und Lioubov wird in ein doppeltes Spiel mit den eigenen Leuten gezwungen. Nicht zu vergessen die CIA, die bei der Sache auch noch ein Wörtchen mitreden will.

Regisseur und Autor Éric Rochant wählt den ganz dicken Pinsel, um eine komplexe Story zu erzählen. Das ihm das gelingt, ist ihm hoch anzurechnen. Zumal in einem Genre, das sich gern darin gefällt, vage Andeutungen vor perfekt inszeniertem Hintergrund zu präsentieren. „Die Möbius Affäre“ also hat einen nachvollziehbaren Plot, erzählt die Geschichte sauber aus – und kann doch nicht überzeugen. Ein fader Beigeschmack bleibt, der Film ähnelt eher einem Hochglanzprospekt als einem packender Thriller.

Szene mit Cécile de France.
Das liegt indirekt auch an Hauptdarsteller Jean Dujardin: Der Kino-Überflieger des letzten Jahres, „The Artist“-Star und Oscarpreisträger, verströmt einen ganz eigenen Charme. Éric Rochant lässt sich davon zu sehr vereinnahmen: Eigentlich spielt Dujardin eher einen kauzigen, nicht gerade sympathischen Geheimdienstler. Doch die Kamera versucht alles, seine physische und schauspielerische Präsenz über die Rolle hinaus zu strapazieren. Das nimmt dem Film die Luft, raubt ihm die Tiefe. Hinzu kommen die ohnehin seichten Figurenzeichnungen, die über Stichpunkte und teils absurd plakative Zuschreibungen (Lehman-Pleite) nicht hinausgehen. Großartig hingegen die intimen Szenen, in denen Rochant etwas wagt. Auch Tim Roth überzeugt und hat wieder jenen eitlen Schlendrian im Blick, den man seit „Rob Roy“ vermisste.

Der Hang zur Oberfläche deutet sich schon im Titel an: Die Möbiusschleife ist ein geometrisches Phänomen, ein in sich verschlungenes Band, das paradoxerweise nur eine Fläche hat. Ein schickes Ding mit elegantem Namen. Wie gemacht für diesen Film. Natürlich soll damit auf die Doppelbödigkeit der Story hingewiesen werden – im Grunde aber verrät sich die Effekthascherei schon hier. Alles in allem bleibt „Die Möbius Affäre“ ein Film, an den man sich nicht erinnern wird. Elegantes Kulissenkino – ein Prospekt, den man bald wieder aus der Hand legt.

Text: Sven Näbrich / Fotos: 2013 Prokino Filmverleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: akzeptabel
Genre: Thriller
Freigabealter: 12
Verleih: Prokino
Laufzeit: 108 Min.