Labile Grenzgängerin

Sie ist schüchtern, spricht mit leiser Stimme, wird kaum wahrgenommen. Als Schauspielerin ist das denkbar schlecht. Daher versteht zunächst niemand, warum ausgerechnet Fine (Stine Fischer Christensen) die Hauptrolle im Theaterstück „Camille“ übernehmen soll. Doch der berühmte Regisseur Kaspar Friedmann (Ulrich Noethen) hat Besonderes mit dem Mauerblümchen vor. Für „Die Unsichtbare“ (2011) scheute sich Filmemacher Christian Schwochow nicht, ganz tief in die menschliche Psyche vorzudringen und sein Publikum schonungslos mit seinen Funden zu konfrontieren. Das brillante Drama erscheint nun auf DVD und Blu-ray Disc.

Auch im Alltag trägt Fine (Stine Fischer Christensen) die platinblonde Perücke von Camille.


Zunächst geht Fine ganz in ihrer Rolle auf: Sie trägt ihre platinblonde Perücke aus dem Stück auch privat, eignet sich die Identität des Vamps Camille an. Damit entfernt sie sich meilenweit von ihrem Alltag mit der überforderten Mutter (Dagmar Manzel) und ihrer geistig behinderten Schwester (Christina Drechsler). Doch als Friedmann ihr auf der Bühne immer mehr abverlangt und ihre Grenzen immer weiter auslotet, gerät Fine auf den schmalen Grat zwischen Selbstfindung und Selbstzerstörung.

Stine Fischer Christensens Leistung ist beeindruckend: Die junge Dänin entfaltet sich ganz langsam. So bringt sie die gesamte Wucht und Vielschichtigkeit des Dramas an die Oberfläche. Wie ihre Figur geht sie damit an die Belastungsgrenze.

Fine (Stine Fischer Christensen) beginnt, sich in eine Parallelwelt zu flüchten.


In klaren, farbsatten Bildern gibt die Blu-ray Disc das verstörende Psychogramm wieder. Die DVD zeigt sich etwas blasser und gelbstichig, punktet aber ebenso wie die BD mit klaren Kontrasten und solider Schärfe. Die Schwarzwerte wurden ebenfalls sauber ausdifferenziert. Beide Discs verfügen über facettenreiche, dynamische Tonspuren, die sämtliche Boxen sauber einbinden und eine angenehme Surroundkulisse erzeugen. Im Bonusteil findet sich lediglich ein mäßig interessantes Making Of.

Text: Maja Daebel / Fotos: Falcom
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Freigabealter: 12
Studio: Falcom
Laufzeit: 105 Min.
Im Handel, ca. 15 Euro