Herzbruch im Zeitraffer

Sollten Frauen noch Hoffnung haben, hinter „Die Wahrheit über Männer“ zu kommen, müsste ein kleiner dänischer Film aus dem Jahr 2010 demnächst die Besucherzahlen von „Titanic“ übertreffen. Womöglich ist der Titel des Regisseurs Nikolaj Arcel, der bei der Berlinale seinen Kostümfilm „Die Königin und ihr Leibarzt“ präsentierte, doch nur ein Marketing-Schachzug. Viel schlauer ist die Frau danach eigentlich nicht, aber sie weiß jetzt eines: Wünsch dir nie, die Gedanken eines Mannes lesen zu können.


Im strömenden Regen geküsst werden, nachdem man sich über selbstgeschriebene Poesie unterhalten hat, über Schmetterlinge und deren Seidenflügel. Das ist großes Kino. So hatte sich Mads (Thure Lindhardt, „Formentera“) die Liebe vorgestellt, damals auf dem Schulhof, als er richtig verliebt war. Doch eigentlich, so gesteht er in einem Monolog, hat er nie die Mädchen bekommen, die er wollte. Deswegen lebt er als 30-Jähriger in einer Beziehung, in der ihm nach zehn Jahren auffällt, dass Marie (Tuva Novotny) eigentlich nicht mal sein Typ ist – geschweige denn haben sie etwas gemeinsam. Der desillusionierte Drehbuchschreiber will aufwachen, Mut haben, ins wilde Leben springen: Er kündigt seinen stupiden Job beim Fernsehen und beendet seine Beziehung.

„Die Wahrheit über Männer“ beinhaltet Altbekanntes: Der Brief des 17-Jährigen an sich selbst mit der Aufforderung zu leben. Irritierende Verabredungen mit seltsamen Frauen. Die Suche nach der früheren Liebe. Große Enttäuschungen, dass die Welt da draußen doch nicht so bunt ist. Mads erleidet erst Schiff-, dann Herzbruch. Und eigentlich sollte dieser Film „Die Wahrheit über Kino“ heißen. Mit großem Vergnügen pinnt der Regisseur Mads’ Leben an die Wand, erkennt Spannungskurven, Wendepunkte und die filmischen Hilfsmittel, die hierzu herangezogen werden. Ein interessanter Drehbuchkurs.

Während der schnell geschnittenen, humorvollen Episoden präsentiert sich die Odyssee des planlosen Romeo mit so vielen Informationen, dass Thure Lindhardts Off-Kommentare kaum nachkommen. Affären, Trennungen, garniert von vielen Fragezeichen: ein Leben im Zeitraffer. Wahrheit und Fiktion vermengen sich, die Cartoonfiguren, denen Mads einst Leben einhauchte, mischen sich nun in seinen Alltag ein.


Nikolaj Arcel nennt seinen Film eine antiromantische Komödie. Und die hinterlässt auch deshalb bleibenden Eindruck, weil sie Mads’ Gedanken hörbar macht. Schön ist das nicht. Aber unterhaltsam. Allerdings wird dem Regisseur seine allwissende Überlegenheit ein wenig zum Verhängnis. Denn irgendwie muss er rauskommen aus seiner Geschichte. Er wählt ein seltsames Ende, das so aussieht, als hätte sich Arcel gedacht: Mist, wie komm ich da jetzt eigentlich raus?

Text: Claudia Nitsche / Fotos: Camino Film
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Originaltitel: Sandheden om mænd
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Camino
Laufzeit: 94 Min.