Eine Geburt ist kein Kinderspiel

„C’est la vie!“ – So ist das Leben, hieß der letzte Film von Rémi Bezançon. Geboren mitten in Paris, der Stadt der Liebe, schaut er diesmal genau hin und erzählt, wie das Leben ist. Er berichtet von einer Schwangerschaft, die trautes Glück zu zweit komplettiert. Denn ein Kind ist nun mal „Ein freudiges Ereignis“. Heißt es, doch Bezançon leuchtet die Situation genau aus. Mit dem Tenor: Warum hat uns eigentlich keiner gewarnt?

Szene mit Louise Bourgoin
Der Ton ist meist komödiantisch-heiter – als hätte man eine beste Freundin, die unbedingt über jedes Ereignis informiert werden muss, das Barbara (Louise Bourgoin) und Nicolas (Pio Marmai) widerfährt. Die Philosophiestudentin ist emanzipiert. Ist ja selbstverständlich. Doch dann entscheiden sie sich für ein Kind, Nicolas und sie. Und das verlangt auch heute noch die Selbstaufgabe der Frau – nur redet darüber keiner.

Der Regisseur Rémi Bezançon war nicht für diese Arbeit vorgesehen, die Produzentin wollte eine Frau, die in jedem Fall selbst Mutter ist. „Nein“, sagte der 42-Jährige, „ein Mann ohne Kinder ist viel besser!“. Das Geschlecht sei nicht entscheidend, erklärte der Regisseur. Die Umsetzung gelinge, wenn man die Geschichte versteht und die Probleme erfasst. Das hätte sehr gut schiefgehen können, vor allem, da die Romanvorlage von Éliette Abécassis sehr persönlich ist: Ihr Ausgangspunkt war die eigene Erfahrung, Mutter zu werden.

Bezançon hat die perfekte Distanz, ein klein wenig Abstand zum Geschehen, ist aber emotional ganz nah dran, auch, weil er mit der Schauspielerin Louise Bourgoin nicht nur eine der schönsten Frauen Frankreichs vor der Kamera hat, sondern eine, die sich nicht scheut, alle Gefühle nach außen zu kehren. Gleichgültig, wie sie dabei aussieht. Das Drama steht aber nicht im Vordergrund, noch wird dieser Enthüllungsstreifen jemals rührselig oder versucht sich am Stimulieren der Tränendrüse.

Barbara (Louise Bourgoin) und Nicolas (Pio Marmai)
Keiner traut sich über die Probleme zu sprechen, wenn der Bauch wächst, die anderen Frauen alles schon wissen und abwinken und Mütter einen in den Wahnsinn treiben. Der Rest der Freizeit besteht aus Geburtsvorbereitungskursen, dafür entfällt der Sex. „Ein freudiges Ereignis“ berichtet von diesen Monaten, mit einer Tragikomik, die jederzeit Sarkasmus vermeidet. Dieser Film ist viel besser als man hofft, er schafft eine gelungene Wahrhaftigkeit, verzweifelt und zweifelt. Und vor allem belässt er es trotz des lockeren Tons nicht bei Geplänkel, sondern ist härter und direkter als erwartet.

Text: Claudia Nitsche / Fotos: Camino
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Un heureux événement
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Camino
Laufzeit: 109 Min.