Schule überdreht

Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin ist ein Spezialist, wenn es darum geht, Alltägliches gnadenlos zu überzeichnen. Für seine Fernsehserien heimste er auf diese Weise jede Menge Preise ein. Nach der Mulitikulti-Familie („Türkisch für Anfänger“) und der Verballhornung der beliebten Arztserien („Doctor’s Diary – Männer sind die beste Medizin“) widmet sich der Deutsch-Türke nun auf der großen Leinwand der Schulkomödie. Vorsicht ist geboten, denn jede Menge (junge) deutsche Fernsehfilme beweisen, dass der Umgang mit Jugendsprache und -szene eine Schlangengrube der Peinlichkeit sein kann. Dagtekin weiß das auch und macht sich dies erfolgreich zunutze. „Fack ju Göhte“ ist gelungen, weil er absichtlich peinlich ist.

Gegensätze ziehen sich an: Lisi (Karoline Herfurth) ist ein antiautoritärer Gutmensch, Zeki (Elyas M'Barek) eher von der gröberen Sorte.

 

Dagtekins Lieblingsdarsteller Elyas M’Barek ist diesmal nicht der trottelige Machotürke wie in „Türkisch für Anfänger“, sondern Knasti Zeki Müller – durchtrainiert, Tribal-Tattoo-Träger, Dosenbier-Fan. Als er aus dem Gefängnis entlassen wird, muss er feststellen, dass die Goethe-Gesamtschule eine Turnhalle über der vergrabenen Beute hochgezogen hat. Um danach buddeln zu können, bewirbt er sich an der Schule als Hausmeister. Doch die taffe Rektorin Gerster (Katja Riemann) missversteht ihn – was vielleicht mit ihrer Klebstoff-Schnüffelsucht zu tun hat – und stellt Zeki als Aushilfslehrer ein. Kein Ding, mithilfe des Generalschlüssels kann er schon in der ersten Nacht vom Schulkeller aus mit dem Graben beginnen.

Für einen Raub saß er im Knast, jetzt will er wenigstens seine Beute haben: Zeki (Elyas M'Barek) gräbt sich vom Schulkeller zum Geldversteck.

 

Während die nächtlichen Tunnelarbeiten ungestört und erfolgreich vorangehen, ist es eher das tägliche Leben als Lehrer, das dem Ex-Knacki Probleme bereitet: Erstens muss er irgendwie seine fehlende Bildung kaschieren, um kein Misstrauen zu erwecken. Zudem helfen bei der Chaos-Klasse 10b um Danger (Max von der Groeben) und Chantal (Jella Haase) erstmals seine bewährten Drohgebärden aus bösen Blicken und knackigen Ansagen nicht, hier müssen andere Geschütze aufgefahren werden. Und dann wäre dann noch Referendarin Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth), Typ Öko-Gutmensch, dem jede Autorität abgeht – scheinbar der krasse Gegensatz zu Zeki, doch die ziehen sich ja bekanntlich an.

Katja Riemann spielt eine knallharte Rektorin, die wenig von alternativen Lehrtheorien hält.

 

Natürlich bekommt man in der Komödie Klischees im Überfluss vorgesetzt. Schülernamen wie Chantal und Danger geben ganz klar die Richtung vor und nutzen das Bild von Kindern aus „bildungsfernen“ Familien aus. Leider werden diese zu eindimensional gezeichnet und eben nur dümmlich dargestellt.

Dass mit Herrn Müller (Elyas M'Barek) etwas nicht stimmt, wird schnell klar - spätestens als er besoffen auf dem Lehrerpult pennt.

 

Auf ganzer Linie überzeugt hingegen der Blick ins Lehrerzimmer: Seit den „Die Lümmel von der ersten Bank“-Filmen war dieser wohl lange nicht mehr so erheiternd wie in „Fack ju Göhte“. Eine Reminiszenz an die Komödien aus den 1960-er Jahren bietet Uschi Glas, ihrerzeit noch vorlaute Schülerin und nun ausgebrannte, lebensmüde Lehrerin. Auch ohne den frechen Pepe wieder aufleben zu lassen, gelingt Dagtekin so die Kunst einer guten Schulkomödie.

Text: Autor: Max Trompeter/ Fotos: 2013 Constantin Film Verleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: überzeugend
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Constantin
Laufzeit: 118 Min.