Der Tragödie ganze Macht

Im Himmel donnert’s ganz gewaltig, und dann fährt die Kamera durch eine karge Felslandschaft: Das Böse ist allgegenwärtig, das wird “Faust” (2011) bald merken. Der russische Regisseur Alexander Sokurow (“Russian Ark”) interpretierte Goethes Tragödie recht frei. Sein fesselndes Meisterwerk über einen Mann, der bis ans Ende der Welt geht, um zu scheitern, ist jetzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich.

Hunger bekommt er, der Faust (Johannes Zeiler), während er in den Eingeweiden einer Leiche rumwühlt. Er will die Seele des Menschen finden und wiegen. Die Suche ist mal wieder erfolglos. Der Hunger aber immer noch da. Geld jedoch hat Faust keines und auch keinen Lebenssinn.

Sucht Essen und einen Sinn im Leben: Faust (Johannes Zeiler).


Da wird man anfällig für Leute wie den Wucherer (Anton Adasinsky), Sokurows abscheuliche Mephisto-Figur, der Faust das Blaue vom Himmel, zumindest aber einen vollen Magen verspricht und ein Techtelmechtel mit Margarethe (Isolda Dychauk). Ein Versprechen, das er nicht halten will.

Sokurow schickt Faust und den Wucherer in ein rohes, dreckiges, widerliches Mittelalter, durch enge, dunkle Gassen und in versiffte Wirtshäuser. Das ist plastischer Ekel, gut berechnet und absolut konsequent. Des Pudels Kern ist hier der verrohte Mensch, der sich auf dieser Welt eingenistet hat und alles missbraucht, was er missbrauchen kann.

Faust zum Beispiel hat durch den Pakt mit dem Wucherer viel Macht bekommen – und darüber denkt er in der mystischen Filmmetapher ausführlich nach. Antworten findet er nicht, hinterlässt aber eine Menge Fragen und ein mulmiges Gefühl.

Auch Margarethe (Isolda Dychauk) kann Faust nicht vor der Verdammnis bewahren.


“Faust”, 2011 in Venedig mit dem Goldenen Löwen für den besten Film ausgezeichnet, wurde im alten Kinoformat 1,37:1 gedreht, was merkwürdig altmodisch wirkt, aber zu diesem archaischen, beklemmenden Film mit seinen abstoßenden, oft surrealen Bildern passt.

Dass die Optik von DVD und Blu-ray Disc oft milchig und schwammig wirkt, bisweilen auch verzerrt ist, ist keineswegs ein Transferfehler, sondern entspricht der Kinovorlage. Beim Sound allerdings hätte man die Surroundboxen besser einbinden können. Die Dialoge sind zwar auf beiden Discs klar und verständlich, aber die hinteren Kanälen werden sträflich ignoriert, sodass keine stimmige Klangkulisse entsteht. Als Bonus gibt es lediglich einen Interviewmitschnitt aus der 3sat-“Kulturzeit” sowie einen kurzen Blick hinter die Kulissen.

Text: Andreas Fischer / Fotos: MFA+ FilmDistribution e.K.
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: Meisterwerk
Freigabealter: 16
Studio: MFA +
Laufzeit: 134 Min.
Im Handel, ca. 17 Euro

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