… und nicht „Til Schweigers neuer Film“

Ganz korrekt ist die Umschreibung ja nicht, die eine große deutsche Boulevard-Zeitung neulich für „Grossstadtklein“ gebrauchte: Die Komödie ist mitnichten „der neue Til-Schweiger-Film“, was allein schon daran festzumachen ist, dass die Presse „Grossstadtklein“ vorab zu sehen bekam. Vollkommen von der Hand lässt sich die Schweiger-Film-Sache aber auch nicht weisen: Immerhin ist Regisseur Tobias Wiemann ein Protegé des „Keinohrhasen“-Regisseurs, der dem Film als Produzent seinen Stempel aufdrückte.

Szene mit Jacob Matschenz und Klaas Heufer-Umlauf.
Man nehme beispielsweise die Darstellerliste: Der Nachname Schweiger mag sich darauf zwar nicht finden, weder in Kombination mit dem Vornamen Til noch mit Emma oder Luna. Doch die 711.000 Kinogänger, die Schweigers letzten Film „Schutzengel“ sahen, dürften die Jungschauspieler Jacob Matschenz, Kostja Ullmann und Jytte-Merle Böhrnsen wiedererkennen. Letztgenannte spielte zudem noch in „Kokowääh 2“ mit. Und in der umfangreichen Filmografie von Tobias Moretti, der in „Grossstadtklein“ auch keinen ganz unwichtigen Part abbekam, steht mit „1½ Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde“ auch ein Schweiger-Film. An all jenen Produktionen war Tobias Wiemann in irgendeiner Form beteiligt, seit sein Kumpel, TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf, Til Schweiger auf die Kurzfilme des Greifswalders aufmerksam gemacht hatte. Einer davon, „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, dient nun als Grundlage für Wiemanns Kinodebüt.

Darin wird das Landkind Ole (Jacob Matschenz) von Mama (Ulrike Krumbiegel) und Opa (Heinz W. Krückeberg) kurzerhand für ein Praktikum nach Berlin geschickt. Vertrödelt ja sonst nur seine Zeit mit Mopedrennen, der Junge. Bei seinem Cousin Rokko (Klaas Heufer-Umlauf) soll Ole die nächsten Wochen wohnen – obwohl er von dem seit 15 Jahren nichts mehr gehört hat. Was wiederum an einem Familienstreit liegt, der einst die Väter (Markus Hering und Tobias Moretti) der neuen Mitbewohner wider Willen entzweite. Herzlich fällt der Empfang in der Hauptstadt also nicht aus, doch eine andere Entdeckung versöhnt Ole schnell mit Berlin: Er verguckt sich in Rokkos beste Freundin Fritzi (Jytte-Merle Böhrnsen), die gern schon mal ein Auto knackt, nur um darin rumzumachen.

Szene mit Jytte-Merle Böhrnsen und Jacob Matschenz.
Auf eine nette kleine Sammlung Stadt- und Landklischees und einen dünnen Praktikumsbericht stapelt Tobias Wiemann in seinem Drehbuch also noch eine große Familien- und eine nicht wesentlich kleinere Beziehungskiste. So schwer bepackt tritt er eine gut eineinhalbstündige Reise durch die sonnendurchfluteten Landschaften Mecklenburg-Vorpommerns und die düsteren Berliner Clubs an – und mutet sich damit für den Anfang vielleicht ein bisschen zu viel zu: Denn während sich der Nachwuchsregisseur einerseits sehr viel Mühe gibt, die Verhältnisse zwischen einzelnen Charakteren herauszuarbeiten, werden andererseits Handlungsstränge auf eine recht ruppige Art zu einem schnellen, naheliegenden Ende geführt. Auch im verbalen Schlagabtausch wird oft die naheliegendste Antwort gewählt, was den Dialogen die Originalität und den routiniertern Darstellern ein Stück weit die Natürlichkeit raubt.

Dadurch behält man als Zuschauer immer eine gewisse Distanz zu dem Geschehen auf der Leinwand, die durch gefühlt drei Dutzend Soft-Rock-Songs nicht verringert wird. Da macht er sich wieder bemerkbar, der Schweiger-Einfluss.

Text: Annekatrin Liebisch / Fotos: Warner
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: akzeptabel
Genre: Komödie
Freigabealter: 6
Verleih: Warner
Laufzeit: 98 Min.