Sie spielen’s noch einmal

Wer quasi aus dem Nichts heraus mit seinem ersten ziemlich wahnwitzigen Film über 2,2 Millionen Zuschauer in Deutschland begeistert, macht wohl vieles richtig. „Hangover“ (2009) war ein Sensationserfolg. Auch beim zweiten Mal gelang der Coup: Die Nachfolge-Komödie stand ihrem Erstling beim anarchischen Humor, in ihrer Tabulosigkeit und der generellen Maßlosigkeit in kaum etwas nach und verdoppelte das Ergebnis an den deutschen Kinokassen noch einmal fast. Nun also ein weiterer Anlauf: Die Vorzeichen stehen gut, dass auch aus „Hangover 3“ ein Kassenknüller werden könnte. An vielen wichtigen Positionen der alten Erfolgsformel wurde wohlweislich nicht herumgefummelt.

Szene mit Ken Jeong.
Natürlich ist das alte „Wolfsrudel“ – dargestellt von Bradley Cooper, Ed Helms, Justin Bartha und dem unnachahmlichen Fusselbart-Träger Zach Galifinakis – wieder versammelt. Und natürlich stolpert die mittlerweile etwas gesetztere Männerclique wieder von einem haarsträubenden, potenziell lebensgefährlichen Missgeschick ins andere. Doch diesmal geschieht alles ziemlich nüchtern – von Katerstimmung keine Spur. Somit ist der dritte Aufguss des irren Cocktails auch eher eine klassische Gangster-Actionkomödie als der übliche wirre Alkohol- und Drogentrip durch eine Lieber-nicht-so-genau-nachfragen-Nacht.

Nach einem unappetetlichen Zwischenfall, in den auch eine Giraffe verwickelt war, sehen sich Freunde und Familie gezwungen, Alan (Zach Galifianakis) in eine Nervenheilanstalt zu überführen – zu seiner eigenen Sicherheit. Doch weit kommen Stu (Helms), Phil (Cooper) und Doug (Bartha) mit dem Patienten nicht: Schon nach wenigen Autobahn-Kilometern werden die Jungs abgedrängt, von einem Überfall-Kommando gekidnappt und sie müssen in der Wüste um ihr Leben bangen. Was eben so passiert, wenn das „Wolfsrudel“ unterwegs ist. Diesmal löst ein schmieriger Drei-Zentner-Gangster namens Marshall (Star-Komiker John Goodman, „The Big Lebowski“, „Argo“) den Schlamassel aus: Er hat mit dem allen „Hangover“-Kennern bestens bekannten asiatischen Miniatur-Fiesling Mr. Chow (großartig überdreht: Ken Jeong) noch eine Rechnung offen. Der homosexuelle, hyperaktive Gangster hatte Marshall einen Goldschatz geklaut.

Von links: Bradley Cooper, Zach Galifianakis und Ed Helms.
Ausgerechnet Alan und Co, die eine verhängnisvolle Eigenschaft haben, Mr. Chow immer wieder unerwartet über die kleinen Füße zu stolpern, sollen den Langfinger auftreiben und den Zaster wiederbeschaffen. Als Faustpfand dient erneut Doug: Er bleibt bei Marshall – und wird im schlimmsten Fall erschossen. Also müssen sich die „Wölfe“ sputen – und Chow auftreiben. Dies gelingt schneller als geahnt – doch damit fangen die Probleme erst so richtig an. Wenn man sich nur kurz vorstellen mag, dass schon wenig später Phil und Alan, gesichert nur durch schlampig zusammengeknotete Bettlaken, vom Dach des Poker-Hotels Caesar’s Palace in Las Vegas über gähnende Abgründe baumeln, ahnt man, wie viel wieder schiefläuft.

Während jedoch „Hangover 2“ das Muster des ersten Films bis ins kleinste Detail vor subtropischer Kulisse einfach noch einmal durchspielte – und trotzdem zum Schreien komisch blieb -, fehlt im dritten Anlauf das Quäntchen Augenzwinkern, um den Blödsinn erträglicher zu machen. Natürlich gibt es auch diesmal großartig skurrile Moment und viel subversive Seitenhiebe auf die Trostlosigkeit einer „normal-langweiligen“ bürgerlichen Lebensform. Außerdem stimmt die Chemie zwischen den Hauptdarstellern perfekt – bis hin zu den genialen „Nickligkeiten“, die sich rollenbedingt Ed Helms (als verklemmter, angepasster Zahnarzt) und Galifianakis (als das unberechenbare liebenswerte Monster) liefern.

Trotzdem können auch die vielen Lacher nicht darüber hinwegtäuschen, dass den Drehbuchautoren (Craig Mazin sowie Todd Philipps, der auch wieder Regie führte) nicht allzu viel Originelles eingefallen ist. Für „Hangover 3“ muss eine teilweise ziemlich überkonstruierte Heist-Story herhalten, die jedoch nur dazu dient, die Fäden zusammenzuhalten und vertraute Gesichter wieder zueinanderzuführen (inklusive Heather Graham in einer Mini-Nebenrolle). Von solchen „normalen“ Gangstergeschichten hat man schon viel spannendere gesehen.

Text: Rupert Sommer / Fotos: 2013 Warner Bros. Ent. / Legendary Pictures
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Hangover Part III
Genre: Komödie
Freigabealter: ab 12
Verleih: Warner
Laufzeit: 100 Min.