Szenen zweier Ehen

Schnee, Schnee und nochmal Schnee. Mehr hat die norwegische Pampa nicht zu bieten. Kaja (Agnes Kittelsen) genießt dort trotzdem jeden Tag in vollen Zügen. Doch das Leben der naiv-gutmütigen Hausfrau und Mutter ist alles andere als „Happy, Happy“ (2010): Seit mehr als einem Jahr gab’s keinen Sex, denn der Ehemann jagt lieber Elche. Als schließlich neue Nachbarn einziehen, wird die scheinbare Idylle in beiden Familien ordentlich durcheinandergewirbelt. Die charmante Komödie über „Untreue, Elchfleisch, Blowjobs und Hüttenkäse“ wurde beim Sundance Film Festival mit dem Großen Preis der Jury bedacht und startete bei den diesjährigen Oscars als norwegischer Beitrag für den „Besten fremdsprachigen Film“. Das Regiedebüt von Anne Sewitsky erscheint nun erstmals auf DVD.


So guten Sex wie mit Sigve (Henrik Rafaelsen) hatte Kaja noch nie. Seit einer Pilzinfektion war bei ihr tote Hose im Bett. Oder lag das vielleicht daran, dass ihr Mann Eirik (Joachim Rafaelsen) doch eher auf seinesgleichen steht? Immerhin: Sigves Frau Elisabeth (Maibritt Saerens) dürfte an dessen Affäre nichts auszusetzen haben – schließlich war sie die Erste, die in ihrer Ehe untreu wurde. Genau deswegen sitzt sie nun mit dem gemeinsam adoptierten Kind, das ob seiner dunklen Hautfarbe von Kajas und Eiriks Sohn als Sklave drangsaliert wird, in der Einöde.

Mit viel Gespür für die Zwischentöne und einer glänzenden Besetzung inszenierte Anne Sewitsky eine Tragikomödie über vier Erwachsene, die sich dank solider technischer Umsetzung auf DVD auch im Heimkino sehen lassen kann. Die natürlichen, zurückgenommenen Farben passen gut zur Stimmung des Films. Ein stellenweise leichtes Bildkorn und die überwiegend weichen Kanten lassen sich getrost verschmerzen. Die ruhige Soundkulisse nutzt die hinteren Ecken nur gelegentlich, Dialoge bleiben stets klar und verständlich. Das mehrmals als Stilmittel eingesetzte Männer-Quartett trägt zwar nichts zur eigentlichen Handlung bei – sorgt aber mit kräftigem Klang für akustische Schmankerl. Extras gibt es nicht.

Text: Christina Zimmermann / Fotos: MFA+
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: ausgezeichnet
Freigabealter: 12
Studio: MFA+
Laufzeit: 84 Min.
Im Handel, ca. 12 Euro