Heilige auf Bestellung

Eine Heilige? Das war Daisy (Hannelore Elsner) mit Sicherheit nicht. Eher eine schrullige Wundertüte, die nicht nur ihren Schwiegersohn Georg (Christian Ulmen) ziemlich tyrannisierte. In ihrer dunklen Kemenate erholt sie sich bei Gebeten von den täglichen Schikanen, die sie ihren Mitmenschen angedeihen lässt. Dann macht es rumms, ein Kreuz fällt auf ihren Kopf, und Daisy kommt in den Himmel. Ihr äußerst witziger Filmtod soll nicht umsonst gewesen sein, beschließt Georg: In Marcus H. Rosenmüllers („Wer früher stirbt, ist länger tot“) augenzwinkernder, frecher Heimatklamotte „Wer’s glaubt wird selig“ soll der Schwiegerdrachen heiliggesprochen werden, um den Tourismus in einem kleinen Alpenort wieder anzukurbeln.

Den Hamburger Georg (Christian Ulmen) hat's wegen der Liebe in die bayrische Provinz verschlagen.


Hollerbach ist am Ende. Einst ein florierendes Ski-Paradies, hat Gott irgendwann beschlossen, es nicht mehr schneien zu lassen. Ohne Schnee aber kann das Alpendorf nicht überleben, erklärt Georg seinem abendlichen Gast. In seiner Kneipe tischt er dem Heiligen Vater Spaghetti auf, dazu guten Rotwein und ein paar Schnäpse. Die wird Papst Innozenz XIV. (Nikolaus Paryla) auch brauchen: Denn als Beilage serviert ihm Georg eine unglaubliche Geschichte.

Mit spitzer Zunge, schrulligen Figuren und derben Albernheiten lassen sich Regisseur Rosenmüller, sein Co-Drehbuchautor Jeremy Leven und die unbeschwerten Darsteller genüsslich über Frömmelei und Doppelmoral in der bayrischen Provinz aus. Mit Georg steht ein Mann im Mittelpunkt, der sogar nicht in die malerische Bajuwarität Hollerbachs passt: Er kam einst aus Hamburg zum Skifahren und blieb – wegen der hübschen Emilie (Marie Leuenberger). Doch in ihrer Ehe gab’s zuletzt Probleme – auch wegen Georgs überfrommer Schwiegermutter Daisy.

Demonstrative Einigkeit: In der Kneipe wird der perfekte Plan geschmiedet, das Dorf zu retten.


Mit norddeutscher Schnodderigkeit erklärt Georg den Hollerbachern, dass nur eine Heiligsprechung Daisys den Ort (und seine Ehe) retten kann. Zusammen mit einem trotteligen Polizisten, seiner freizügigen Schwägerin (Lisa Marie Potthoff) und einem kauzigen Dorflehrer denkt er sich die nötigen Wunder aus, um den Vatikan zu überzeugen. Sie inszenieren einen Überfall auf den Tante-Emma-Laden, lassen Daisy auferstehen – sie sieht dann aus wie die Geistermädchen in japanischen Horrorfilmen -, und bauen eine pneumatische Apparatur, um die Heilige Jungfrau Blut weinen zu lassen.

Irgendwann wird die ganze Scheinheiligkeit natürlich auffliegen, aber bis dahin hat Rosenmüller in Hollerbach die totale Anarchie ausbrechen lassen. Und darüber schmunzelt dann sogar der Papst. So respektlos „Wer’s glaubt, wird selig“ auch ist: Rosenmüller trifft den richtigen Ton, um seine sympathische Katholikenklamotte zu einer amüsanten, gescheiten, rabenschwarzen – aber zu keinem Zeitpunkt bösartigen – Eulenspiegelei zu machen.

Text: Andreas Fischer / Fotos: 2012 Constantin Film Verleih GmbH
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Genre: Komödie
Freigabealter: 6
Verleih: Constantin
Laufzeit: 100 Min.