Verwirrspiel vor großer Kulisse

Der letzte Hitlerwitz war einer zu viel: In seiner deutschen Heimat war Kabarettist Hans Zeisig (Michael Bully Herbig) die SS auf den Fersen. So strandet er unfreiwillig im geschichtsträchtigen “Hotel Lux” in Moskau – obwohl er doch eigentlich nach Hollywood wollte. Regisseur Leander Haußmann verquickt in seiner Dramödie Weltgeschichte mit Humor und einer Prise Sarkasmus. Doch irgendwie will diese gewagte Melange in seinem Film (2011), der nun auf DVD und Blu-ray Disc erscheint, nicht so recht zünden. In den Kinos blieb der Film denn auch mit gut 150.000 Zuschauern deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Durch einen Zufall trägt Hans Zeisig (Michael Bully Herbig) den Pass von Hitlers Leib-Astrologen
bei sich - doch im Gegensatz zu allen anderen weiß er nicht, für wen man ihn hält.



1938: Der völlig unpolitische Zeisig schlägt eines Tages im “Hotel Lux” auf – ein Auffangbecken für spätere kommunistische Politgrößen wie Walter Ulbricht, Wilhelm Pieck und Ernst Reuter. Dort wird er für den Leibastrologen Hitlers gehalten. Nur er selbst weiß das lange nicht. Die Angelegenheit wird noch komplizierter, als ihm in der Herberge schließlich alte Bekannte wieder begegnen: sein Berliner Bühnenkollege und bester Freund Siggi Meyer (Jürgen Vogel) sowie die geheimnisvolle Frida van Oorten (Thekla Reuten).

Doch Regisseur Leander Haußmann wollte keine reine Verwechslungskomödie drehen: Neben der lockeren Nazi- und Stalinisten-Parodie versucht er, die politischen und historischen Gegebenheiten unterzubringen und die beklemmende Situation im Hotel zu verdeutlichen. Letztlich sind es sind einfach zu viele Einfälle, zwischen denen Haußmann keine stimmige Balance herstellen kann. Derweil war eine der besten Ideen fraglos die Besetzung des Hauptdarstellers: In Hans Zeisig kommt nur selten der Comedian Bully durch, vielmehr erlebt man Michael Herbig als ernst zu nehmenden Charakterdarsteller.

Auch Siggi Meyer (Jürgen Vogel) landet schließlich im Hotel Lux.


Im Bonusmaterial von DVD und Blu-ray Disc würdigt ein bisweilen etwas langatmiges 45-minütiges “Bully Spezial”-Making-Of den Schauspieler und gibt informative Einblicke in die Entstehung und den historischen Hintergrund des Films. Technisch weisen die Discs einige Schwächen auf: Das Blu-ray-Bild ist etwas zu weich, in dunklen Bereichen sind Details kaum zu erkennen. Auf DVD verursacht leichtes Bildkorn Unschärfen. Der HD-Ton der BD wurde gut arrangiert, auch Details der Geräuschkulisse sind klar herausgearbeitet. Allerdings kommt außer Musik wenig aus den hinteren Boxen. Auf DVD wirken die Dialoge zudem manchmal etwas dumpf.

Text: Maja Daebel /
Fotos: Highlight / Constantin / 2011 Bavaria Pictures / Stephan Rabold


Filmbewertung: überzeugend
Freigabealter: 12
Studio: Highlight (Constantin)
Laufzeit: 102 Min.
Im Handel, ca. 15 Euro