Warten auf das Abenteuer

Hoch waren die Erwartungen an Martin Scorseses Familienfilmdebüt „Hugo Cabret“ (2011) bei der letzten Oscarverleihung: Elf Nominierungen strich das 3D-Spektakel ein, fünf Trophäen räumte es schließlich ab – unter anderem für die besten visuellen Effekte. Zu Recht, denn die dreidimensionalen Aufnahmen sind wahrlich meisterhaft. Weniger überzeugend ist hingegen die langatmige Umsetzung der Geschichte, für die Brian Selznicks Graphic Novel „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ als Vorlage diente. Was Hugo genau entdeckte, lässt sich nach der Kinoauswertung (eine halbe Million Zuschauer in Deutschland) nun im Heimkino auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D herausfinden.

Was für ein Zufall: Isabelle (Chloë Grace Moretz) besitzt den Schlüssel,
der in Hugos (Asa Butterfield) Automatenmenschen passt.



Seit sein Vater (Jude Law) tragisch ums Leben kam, haust der zwölfjährige Hugo Cabret (Asa Butterfield) um 1930 allein im Dachgeschoss des Pariser Bahnhofs Montparnasse – bis sich eines Tages Isabelle (Chloë Grace Moretz), die Ziehtochter des griesgrämigen Spielwarenverkäufers Georges (Sir Ben Kingsley), mit dem Außenseiter anfreundet. Wie es der Zufall will, besitzt sie den Schlüssel, mit dem sich ein Automatenmensch aus dem Nachlass von Hugos Vater aufziehen lässt.

Einmal zum Leben erweckt, bringt das metallene Geschöpf die Zeichnung eines Mondgesichts, in dessen Auge eine Rakete steckt, zu Papier. Fachleute erkennen das Bild: Es ist das einprägsamste Motiv aus „Le voyage dans la lune“ (1902), dem bekanntesten Werk des Filmpioniers Georges Méliès – den Isabelle erstaunt als ihren Ziehvater identifiziert.

Die ausführliche Zeitreise in die früheste Epoche des Kinos ist vorrangig für diejenigen interessant, die sich ein wenig intensiver mit dem Medium Film auseinandergesetzt haben. So beeindruckend das Werk Méliès’ auch ist, Scorsese betrügt ein abenteuerlustiges Publikum um sein Abenteuer: Bis zuletzt lauert man darauf, dass endlich etwas Aufregendes passiert.

Als Stationsvorsteher kommt Sacha Baron Cohen einem Bösewicht noch am nächsten.


Auf Blu-ray 3D entfaltet Hugos Welt ihre ganze imposante Wirkung: Die räumliche Staffelung der Bilder ist perfekt, Details sind auch in den kleinsten Winkeln noch zu erkennen. Schärfe und Kontrast leiden nicht unter der Bildtiefe. Auch die 2D-Variante überzeugt auf Blu-ray Disc mit Detailreichtum und einer wunderbar nostalgischen Optik: Alles erstrahlt in satten Ockertönen. Auf DVD ist wirken die Farben weniger kräftig.

Der englischsprachige 7.1-HD-Mix der BD ist eine wahre Freude: Dynamisch und facettenreich schafft er eine angenehme Surroundkulisse, in der selbst das kleinste Geräusch wahrnehmbar ist. Die deutsche Tonspur liegt sowohl auf BD als auch auf DVD nur in Dolby Digital 5.1 vor und ist weniger sauber arrangiert. Während die BD einen spannenden Bonusteil mit vielen tollen Beiträgen mitbringt, bietet die DVD nur das aufschlussreiche Making Of.

Text: Maja Daebel / Fotos: Paramount / 2011 GK Films / Jaap Buitendijk
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: überzeugend
Freigabealter: 6
Studio: Paramount
Laufzeit: 121 Min.
Ab 16.8. im Handel, ca. 15 Euro