Im Eis taut man auf

Inuk ist ein grönländischer Junge, der auf den ersten Blick ein ganz normales Leben führt. Er geht zur Schule, trifft sich mit Freunden und hört Musik. Doch unter der Oberfläche brodelt es. Das Elternhaus ist zerrüttet, Inuk hat kaum genug Geld für Essen – und muss deshalb selbst geschnitzte Souvenirs verkaufen. Irgendwann wird das Jugendamt auf den verwahrlosten Jungen aufmerksam und ordnet eine drastische Maßnahme an: Durch einen Aufenthalt bei Robbenjägern soll er aus seiner Lethargie befreit werden und wieder Freude am Leben finden – was die dafür auserkorenen Jäger alles andere als erfreut.


Mit der Zeit kommen sich Inuk und der erfahrene Schlittenführer Ikuma (Ole Jørgen Hammeken) näher – das Eis beginnt zu schmelzen. Doch trotz aller väterlichen Gefühle, die der Robbenjäger für Inuk entwickelt, schlummert auch in ihm eine dunkle, schmerzhafte Vergangenheit.

Der Film gibt einen seltenen Einblick in die raue, karge Landschaft Grönlands, in der sich die Protagonisten behaupten müssen. Jenseits des Polarkreises setzen sie sich zwischen Gletscherspalten und Schneeverwehungen mit ihren Problemen und ihrer Geschichte auseinander und kommen sich allmählich näher – auch wenn das nicht ganz so reibungslos funktioniert, wie es das Jugendamt gerne hätte.

„Inuk“ ist ein großartiges, einfühlsames Vergnügen, bei dem schon beim Ansehen die Füße festzufrieren scheinen. Und doch brandet an einigen Stellen der Wunsch auf, den warmen Kinosaal mit der unberührten Eis-Landschaft zu tauschen.

Text: Steve Przybilla / Fotos: Neue Visionen Filmverleih

Filmbewertung: überzeugend
Freigabealter: 6 (beantragt)
Verleih: Neue Visionen
Laufzeit: 90 Min.