Opi macht einen drauf’

Sie können einfach nicht davon ablassen: Bereits 13 Jahre ist „Jackass“ alt und noch immer melden sich Johnny Knoxville und Co. regelmäßig zurück, um vor der Kamera genüsslich auf die Nase zu fallen. Im neuesten Werk, „Jackass: Bad Grandpa“, rennt Oberheini Knoxville gar lediglich als Irving Zisman herum, ein seit 2001 bekanntes, 86-jähriges Ekelpaket, für das er stundenlang in der Maske sitzen musste. Zu erwarten waren abermals Witze unter der Gürtellinie, Fäkalhumor, ein paar Stunts. Und genau das liefert „Jackass: Bad Grandpa“ auch. Doch die blendend eingefangenen Reaktionen von Passanten und ein großartiger Sidekick des Knoxville-Opas machen den Film zu einem großen Spaß für alle, die sich dem derben Humor nicht verschließen.

Billy (Jackson Nicoll, rechts) dient Opa Irving (Johnny Knoxville) als "Wingman" beim Aufreißen.

 

Der angesprochene Sidekick, der neunjährige Jackson Nicoll, ist als Zismans Enkel Billy eine wahre Wucht. So abgebrüht und humorvoll – Knoxville nannte ihn ein „Geschenk des Himmels“. Der kleine, dickliche Junge ist es, der seinem Großvater das lang ersehnte Singleleben zunichtemacht. Denn die „Pain-in-the-ass“-Frau des alten Herrn hat endlich das Zeitliche gesegnet. Doch da sich Billys drogensüchtige Mutter wieder einmal auf der Flucht vor der Polizei befindet, ist es an Opa dafür zu sorgen, dass der Junge bei seinem Vater landet – am anderen Ende der Vereinigten Staaten.

Irving Zisman (Johnny Knoxville) marschiert von einem Fettnäpfchen ins nächste. Natürlich absichtlich.

 

Soweit die Story. Dass sich die „Jackass“-Macher überhaupt einen Plot überlegen, ist schon innovativ genug. Denn die Kultserie und die bisherigen Leinwand-Aufgüsse waren stets nur eine Aneinanderreihung von teils lebensgefährlichen Stunts. Diese sind in „Bad Grandpa“ auch vorhanden, werden aber stets in die Geschichte eingebunden. So fliegt Knoxville mit einem Minifahrgeschäft, mit dem Billy eigentlich fahren will, durch eine Ladenscheibe oder er wird in einem elektrischen Bett, das er nach dem Tod seiner Frau verkaufen will, so richtig durchgeknetet – alles unter den Augen der ahnungslosen Passanten. Eine Vielzahl von geschickt platzierten Kameras fangen die fassungslosen Blicke perfekt ein. So ähnelt „Jackass: Bad Grandpa“ in seiner Machart „Borat“ und „Brüno“ mit Sacha Baron Cohen. Dabei sozialkritisch wie die Vorbilder zu sein, maßt sich der Film nicht an – vielleicht auch besser so.

Jackass: Bad Grandpa

 

Vielmehr wird die neue Ausführung mit Altbewährten verbunden: Zisman beim Klauen, betrunken, am Baggern und auch sein zur Schau getragener, baumelnd-faltiger Hodensack sind nicht neu. Dass sich die Drehbuchautoren, darunter auch Regisseur Spike Jonze („Wo die wilden Kerle wohnen“, „Being John Malkovich“), nicht nur an diesen Motiven orientieren, sondern sogar das famose Finale des Independent-Hits „Little Miss Sunshine“ fast eins zu eins klauen, ist auch nicht weiter schlimm. Denn mit der Spitzbübigkeit und der für nicht möglich gehaltenen Coolness des kleinen Jackson Nicoll kommt eine neue, wunderbare Komponente in die angestaubte „Jackass“-Welt hinzu.

Text: Max Trompeter / Fotos: 2013 Paramount Pictures / Sean Cliver
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Jackass: Bad Grandpa
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Paramount
Laufzeit: 92 Min.