Wein, Weib und ein wenig Weltuntergang

Wenn es um den Richtigen geht, verwendet man schon mal das Wort „göttlich“, meint es aber nicht im Wortsinn. Marie (Jessica Schwarz) allerdings verliebt sich direkt in Jesus. Der kommt, gespielt von Florian David Fitz, mit einem anderen Ansinnen auf die Erde, lässt sich von Marie aber gern ablenken. „Jesus liebt mich“ heißt die Komödie – und die ist so liebenswert, lustig und hintergründig, dass man sie sich mindestens noch einmal ansehen möchte. Denn solche Filme gelingen nicht oft.

 

Florian David Fitz hat zu David Safiers Roman „Jesus liebt mich“ das Drehbuch geschrieben, die Hauptrolle übernommen und führt zum ersten Mal Regie. Das nennt man Gesamtverantwortung. Daneben platziert er Jessica Schwarz als angespannte Marie. Die fällt Jesus sofort auf, sie erinnert ihn an jemanden. Marie wiederum ist begeistert von der sanften Art des Fremden, doch als ihr dämmert, wer der Herr sein könnte, ist sie verunsichert. Marie verzweifelt – immer wieder im Off-Kommentar – an sich, ihren verfeindeten Eltern (Hannelore Elsner, Peter Prager) und der Frage, ob man Gottes Sohn zum Freund will. Fitz verwaltet seine Rolle mit unschuldiger Jungfräulichkeit. Das passt.

Zur Lovestory bietet Fitz noch etliche andere, nicht weniger interessante Erzählstränge an und horcht Henry Hübchen (in der Rolle eines Pfarrers), Hannelore Elsner und Peter Prager in Sachen Liebe aus. Er gibt sich in seinem Regiedebüt nicht zufrieden mit einer freundlich schlichten Erzählung. Er will gerne hinten raus ein bisschen durchdrehen. Übers-Wasser-Laufen reicht nicht, er beharkt ungewöhnliche Genre, wenn er Jesus auf der Erde die Apokalypse vorbereiten lässt. Vorher will der Göttliche die Menschen kennenlernen, teilt mit dem Bettler, lässt Rollstuhlfahrer gehen, macht Wasser zu Wein und hält die andere Wange hin. Das wird dezent eingeflochten oder charmant übertrieben.

 

„Jesus liebt mich“ ist oft offensiv lustig. Will sagen: Es handelt sich hier nicht um ein Independent-Filmchen, das man entdeckt, wie vielleicht „vincent will meer“. Das ist eine Major-Produktion und die darf offensiv sein, solange sie lustig ist. Das ist sie, weil der 38-Jährige inszenatorisches Geschick beweist und den richtigen Ton trifft. Es gibt keine Nebenrollen, die in zwei Minuten ans Reißbrett geworfen wurden. Sogar die 26-jährige Geliebte (Palina Rojinski) von Maries 64 Jahre altem Vater bekommt schöne Sätze. Hannelore Elsner und Henry Hübchen spielen so überzeugend zurückgenommen, dass es eine Freude ist – und: es wird nichts bis zum Happy End gestrickt. Alleine dafür gebührt dem souveränen Debütanten Anerkennung.

Weiter gefällt die Dramaturgie und akribische Arbeit an Szenen wie dem Familienkrieg im Haus von Maries Vater, bei dem alle Beteiligten zum Mahl an einem Tisch sitzen. Durch solch gekonnte Aktionen gelingt es Florian David Fitz in einer Komödie eine Botschaft zu transportieren, die ankommt. Weihnachtszeit hin oder her, „Jesus liebt mich“ macht Lust darauf, ein besserer Mensch zu sein.

 

Einziger Ausrutscher sind die Jünger, die extrovertiert an Jesus’ Fersen kleben – und das Finale wird Diskussionsstoff geben. Doch daneben erlaubt sich der Film keine Schnitzer, im Gegensatz zu Harald Sicheritz’ thematisch ganz ähnlicher Komödie „3faltig“, die auf ganzer Linie verunglückte. In der deutsch-österreichischen Co-Produktion stapfte Matthias Schweighöfer vor knapp zwei Jahren als „Christl“ mit gleichem Auftrag über die Erde.

Fitz jedoch gelingt ein kleines Meisterwerk. Selten ist eine Komödie so ausbalanciert, jongliert so entspannt mit liebenswürdigem Witz, Selbstironie und kleinen Weisheiten. Ein Wohlfühlfilm. Vielleicht ist es jetzt passiert und „Dirty Dancing“ ist nach 25 Jahren abgelöst. Alle Jahre wieder „Jesus liebt mich“ mit der besten Freundin auf der Couch? Gut vorstellbar.

Text: Claudia Nitsche / Fotos:
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: Meisterwerk
Genre: Komödie
Freigabealter: 12
Verleih: Warner
Laufzeit: 100 Min.