Gerechte Strafen?

Um ein Haar wäre der bullige Jungmatrose Erling (Benjamin Helstad) im Gefängnis gelandet. Doch angesichts der schonungslosen Szenen, in denen der norwegische Regisseur Marius Holst in seinem intensiven Drama „King of Devil’s Island“ (2010) den Alltag in der Besserungsanstalt Bastøy um 1915 zeigt, wird sich bald die Frage aufdrängen, ob es Erling im Knast nicht besser ergangen wäre. Das Unrecht, dessen man ansichtig wird, bringt die Galle zum Überlaufen – obwohl Holst auf eine stilistische Dramatisierung weitestgehend verzichtete. Der beeindruckende Film, der nur rund 17.000 Zuschauer ins Kino lockte, erscheint nun auf DVD und Blu-ray Disc.

Bråthen (Kristoffer Joner, Mitte) nutzt seine Machtposition ohne Skrupel.


Den „ehrlichen, bescheidenen und nützlichen Christen“ solle Erling, fortan C19 gerufen, hier in sich entdecken, erläutert Direktor Bestyreren (Stellan Skarsgård) dem Burschen bei seiner Ankunft. Im Klartext: Demütiger Gehorsam wird verlangt, ansonsten drohen drakonische Strafen. Doch C19 weigert sich, die Erziehungsmaßnahmen teilnahmslos über sich ergehen zu lassen und vor dem alltäglichen Sadismus die Augen zu verschließen. Letztendlich kommt es zum Aufstand.

In vielen einprägsamen Szenen stellt sich Holst klar auf die Seite der Unterdrückten, ohne viele Worte darüber zu verlieren, aufgrund welcher Vergehen sie eigentlich nach Bastøy gebracht wurden. Die meisten, so lässt er zumindest durchblicken, landeten nur aufgrund kleinerer Vergehen oder des fragwürdigen Lebenswandels ihrer Eltern in der Erziehungsanstalt, die noch bis 1970 genutzt wurde.

Die Jungen wagen die Flucht von der Insel Bastøy.


Die Interviews mit ehemaligen Häftligen, die Teil der knapp 50-minütigen Doku „Bastøy – geordnete Erziehung“ sind, bestätigen dies. Ansonsten bietet der überschaubare Bonusteil lediglich eine knappe Entstehungsgeschichte der Spezialeffekte.

Die Tristesse des Alltags in der Anstalt wird durch die satten Grau- und Blautöne, die das Bild der Blu-ray Disc dominieren, transportiert. Insgesamt wirkt die Optik, die mit solidem Kontrast und guter Schärfe punktet, jedoch zu dunkel. Die DVD mutet hingegen blass und leicht schwammig an. Satt und bassig bedient der sauber arrangierte Sound auf BD sämtliche Boxen und schafft so eine angenehme Surroundkulisse. Auch hier hat die DVD das Nachsehen: Der Dolby-Digital-Mix klingt deutlich schwachbrüstiger und bietet kaum Surroundeinsatz.

Text: Maja Daebel / Fotos: Alamode Film
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Freigabealter: 16
Studio: Alamode
Laufzeit: 111 Min.
Ab 27.7. im Handel, ca. 17 Euro