Cremefarbener Feelgood-Eskapismus
Wenn es hierzulande einen Filmschaffenden gibt, der die Prinzipien des leichtfüßigen Wohlfühlfilmchens verinnerlicht hat, dann ist das zweifelsohne Til Schweiger. Sobald der Mann sich in romantische Gefilde begibt, ist ihm der Erfolg sicher – voraussichtlich auch im Falle seiner Patchwork-Komödie „Kokowääh 2“, die der nach Schweigers Geschmack oft allzu kritischen Presse vor dem Kinostart nicht präsentiert wurde. Der Vorgänger „Kokowääh“ (2011) sorgte jedenfalls für volle Kinosäle: Rund 4,3 Millionen Zuschauer wollten Schweigers pastellgetönte Familienzusammenführung sehen. Das machte den Streifen mal eben zum erfolgreichsten deutschen Film 2011. Respekt. Über die Qualität von Schweigers Arbeit sagt dies freilich noch nichts aus.


Der vielseitig Begabte Schweiger scheint mit seinen perfekt auf sich und seine Kinder zugeschnittenen Werken regelmäßig einen Nerv zu treffen. Die Sehnsucht nach einem Stückchen heiler Welt, nach Problemen, die sich fast von selbst lösen, und nach Beziehungen, die auch nach der gefühlt hundertsten Verfehlung eines Beteiligten noch eine Chance haben, treibt das deutsche Kinopublikum offenbar um. Das ist auch völlig in Ordnung, denn schließlich bedeutet Kino Flucht aus dem Alltag und Eintauchen in eine andere – vielleicht bessere – Dimension.


In „Kokowääh 2“ versinkt diese allerdings zunächst im Chaos. Henry (Schweiger) darf seinen ersten großen Film produzieren, gerät aber ins Straucheln, als Freundin Katharina (Jasmin Gerat) die Patchwork-WG verlässt: Sie hat keinen Bock mehr auf Muttersein, will ein neues Buch schreiben und sucht sich eine eigene Bleibe. Baby Louis und die zum ersten Mal verknallte Magdalena (Emma Tiger Schweiger) bleiben beim überforderten Papa zurück.



Dessen Lage bessert sich auch nicht, als Magdalenas Ziehvater Tristan (Samuel Finzi) bei Henry Unterschlupf sucht. Das Tohuwabohu wird von einem neckischen Kindermädchen (Jana Reinermann) und einem exzentrischen Filmstar, der Jungproduzent Henry das Leben schwermacht, komplettiert. Keine Überraschung: Es ist Schweiger-Zögling Matthias Schweighöfer („Schlussmacher“), der sich hier selbst spielen darf.


Wie üblich überließ Schweiger nichts dem Zufall und sorgte eigenhändig für Drehbuch, Regie, Produktion und die passende Besetzung der männlichen Hauptrolle. Große Überraschungen wird die Story wohl nicht bieten, ein Happy End mit glücklichem Publikum darf jedoch als gesichert gelten – wie bei Omas Marmorkuchen funktioniert Schweigers Patentrezept schließlich immer.


Text: Christina Freko / Fotos: 2012 Warner Bros. Ent.
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: keine Wertung
Genre: Komödie
Freigabealter: 6
Verleih: Warner
Laufzeit: 122 Min.