Hangover für Fortgeschrittene

Das sonst so auf Jugend fixierte Hollywood entdeckt die Best Ager – nicht nur als solvente Zielgruppe, sondern auch als gereifte Darsteller. Da trifft es sich gut, dass sich in die Jahre gekommene Schauspielgrößen wie Michael Douglas, Robert De Niro oder Morgan Freeman weiterhin spielfreudig und übermütig auf jedes Kinogenre stürzen. In der Partykomödie „Last Vegas“ lassen es die Hollywood-Veteranen noch einmal krachen und zeigen, dass man auch jenseits der 60 einen Heidenspaß haben kann – auch wenn zwangsläufig ein bisschen Melancholie mitschwingt.

Party, lass nach (von links): Sam (Kevin Kline), Archie (Morgan Freeman), Paddy (Robert De Niro) und Billy (Michael Douglas) feiern in Vegas.

 

Billy (Michael Douglas), Paddy (Robert De Niro), Sam (Kevin Kline) und Archie (Morgan Freeman) sind beste Freunde – schon seit einer Ewigkeit. Ihre Jugend haben sie, das zeigt ein kurzer Prolog, als Halbstarke in Brooklyn verbracht. Inzwischen hat das Leben sie in verschiedene Winkel der USA verstreut. Man ist sich noch immer verbunden, auch wenn Paddy seinem Kumpel Billy nicht verzeihen kann, dass der nicht zur Beerdigung seiner Frau gekommen ist.

Yes, he can: Junggeselle Billy (Michael Douglas) ist endlich reif zum Heiraten.

 

Nun will Billy, der notorische Junggeselle und chronische Herumtreiber (den Michael Douglas schon 2009 überzeugend in „Solitary Man“ gegeben hat), heiraten. Seine künftige Braut Lisa (Bre Blair) ist natürlich nicht mal halb so alt wie er, was soll’s. Hochzeit und Junggesellenabschied sollen im lasterhaften Las Vegas stattfinden – und Billys alte Freunde nehmen die Einladung an. Es ist ein letztes, rührendes Aufbäumen gegen die Unaufhaltsamkeit des Alterns.

Party ohne Ende: Sam (Kevin Kline, links) füllt die Mädels ab.

 

Sam hat es dabei gut getroffen: Seine Frau (Joanna Gleason) hat ihm Kondom und Viagra mitgegeben, in der Hoffnung, dass ihr Gatte in Vegas neue Inspirationen für ihr eingeschlafenes Sexleben finden möge. Und Archie ist froh, endlich seinem nervigen Sohn (Michael Ealy) entkommen zu sein, der ihn wie einen Greis behandelt. Nur Paddy, der sich seit dem Tod seiner Frau zurückgezogen hat, tut sich schwer mit dem unbeschwerten Vergnügen. Das ändert sich, als die alten Jungs in einer Hotelbar auf die Sängerin Diana (großartig: Mary Steenburgen) treffen, die sowohl Paddy als auch Billy den Kopf verdreht. Aber für Drama ist kaum Zeit, es ist Party angesagt, mit Miss-Bikini-Wahl, schillernden Transvestiten und rauschendem Junggesellenabschied, zu dem selbst Rapper 50 Cent der Zutritt verweigert wird.

Moment mal, hat es da gefunkt? Billy (Michael Douglas) und Diana (Mary Steenburgen).

 

Das ist nur einer der vielen Gags, mit denen Regisseur Jon Turteltaub, sonst eher auf Actionfilme abonniert, hier aufwartet. Seine charmante, wenn auch etwas erwartbare Komödie über vier alte Herren, die einmal mehr das Leben feiern, bietet beste Unterhaltung und zwar von Anfang an. Wortwitz, ein brillantes, stimmiges Schauspielensemble und ein großartiger Soundtrack, für den Mark Mothersbaugh verantwortlich zeichnet, machen den Pensionisten-Partyfilm zu einem herrlich frivolen Kinovergnügen. Und – der Vergleich liegt nahe – zu einer entschärften Version von „Hangover“, in der weniger die Action, sondern vielmehr die großen, echten Gefühle im Mittelpunkt stehen. Auch wenn sich über Humor und Anspruch des Films womöglich streiten lässt: „Last Vegas“ ist ein kurzweiliges, überraschend moralisches Plädoyer für Freundschaft, Liebe und Loyalität – jenseits der Altersgrenzen. Und das muss ja nicht immer bierernst sein.

 

Text: Heidi Reutter / Fotos: Universal Pictures
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

Filmbewertung: überzeugend
Originaltitel: Last Vegas
Genre: Komödie
Freigabealter: 0
Verleih: Universal
Laufzeit: 105 Min.