Vom Sterben

Eine Pariser Wohnung, zwei Musikbegeisterte im Ruhestand, ein gediegenes und kultiviertes Milieu. Hier leben Georges (Jean-Louis Trintignant) und Anne (Emmanuelle Riva) in eingespielter und liebevoller Zweisamkeit. Doch wie immer beim Österreicher Michael Haneke steht harte Kost auf dem Programm: Schlaganfall, Pflegefall, Todesfall. Eigentlich könnte sein Film „Tod“ heißen, aber Haneke entschied sich, sein feinfühliges Sterbedrama zu einem großartigen Plädoyer für die „Liebe“ (2012) zu machen. Sein auf DVD und Blu-ray Disc erscheinender Film gewann die Goldene Palme in Cannes sowie einen Golden Globe und gehört mit fünf Nominierungen zu den heimlichen Favoriten bei der diesjährigen Oscar-Verleihung (24. Februar).

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Georges’ und Annes Altersidyll, in dem sie es sich in Zweisamkeit zwischen Erinnerungen und gemeinsamen Interessen wunderbar eingerichtet haben, bekommt erste Risse bei einem Frühstück. Anne scheint für kurze Zeit völlig abwesend. Ein Vorbote des kommenden Schlaganfalls, der alles verändern wird.

Georges kümmert sich in Folge dessen so gut er kann um seine nun pflegebedürftige Frau, die mit einer Lähmung unterhalb der Hüfte im Rollstuhl sitzt. Er scheut trotz seines hohen Alters keine Mühe und versorgt sie selbst. Doch als sich ihr Zustand weiter verschlechtert und sie kaum noch ansprechbar ist, holt er sich Pflegekräfte ins Haus.

Ganz nebenbei erfährt man einiges über die Abläufe im Umgang mit Pflegebedürftigen und auch über die Problematik externer Betreuung. Der gut situierte Haushalt kann zahlen, aber Liebe kann man eben nicht kaufen. Die kann nur Georges seiner Frau geben, und er leidet sehr darunter zu sehen, wie andere Anne behandeln.

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Formal streng wie ein Kammerspiel erzählt, bleibt Haneke von Anfang an mit der Kamera nur im Zuhause der beiden. Die Wohnung – zunächst noch ein Ort der Geborgenheit – mutiert immer mehr zum Gefängnis, aus dem es kein Entkommen mehr gibt. Mit einer faszinierenden Darstellerleistung gelingt es den beiden über 80-jährigen Schauspielern, die Intimität eines Paares, das bereits einen langen Weg zusammen gegangen ist, auf die Leinwand zu bringen.

Das Bild ist auf DVD und Blu-ray Disc frei von Störungen und Kratzern, allerdings ist ein Grundrauschen bemerkbar. Die DVD hat zudem leichte Schwächen bei Schärfe und Kontrast. Der Sound beschränkt sich auf klare und sauber wiedergegebene Dialoge und bietet kaum räumliche Momente. Im Bonusteil haben gibt es auf beiden Discs lediglich ein Making Of, das allerdings sehr interessant ist.

Text: Vera Seeberg / Fotos: X Verleih / Denis Manin
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Freigabealter: 12
Studio: X Verleih
Laufzeit: 122 Min.
Ab 22.2. im Handel, ca. 15 Euro