Ein türkischer Märchenmann

Wie gerne hätten die Eltern Luk mit Nebalat verheiratet, denn „Nebalat ist so ein schönes Mädchen“. Doch daraus wird nichts. Luk, der ewige Träumer mit der Hasenscharte im Gesicht, will unbedingt Gül (Aylin Tezel), die schöne Sängerin, die er an den Chef einer Band verloren hat. Als Luk und seine türkische Einwandererfamilie eines Tages im Lotto gewinnt, hat der ewige Verlierer eine schlaue Idee: Er will seine Angebetete mit einem selbst gebastelten Musikvideo zurückerobern. Spät kommt Ayse Polats 2010 entstandene, turbulente Türkenkomödie „Luks Glück“ endlich ins Kino.

Ob das mit dem Video klappen wird: Gül (Aylin Tezel)
sieht dem Dreh in der Türkei verzagt entgegen.



Da kann der Herr von der Lottoanstalt noch so viel reden – von wegen Ruhe bewahren, nichts übereilen, und so fort. Luks türkische Lottogewinnerfamilie legt gleich los: Ein Hotel in Kappadokien will sie haben, das bietet schließlich Sicherheit. Doch da haben sie die Rechnung ohne ihren Sohn, den Mitgewinner Luk und dessen Cousin Cem (Kida Ramadan) gemacht. Cem ist ein Filou, der gerne dubiose Geschäfte macht – und, wenn es sein muss, auch Musikvideos produziert.

Die Deutschtürkin Ayse Polat, die für ihren letzten Film, „En Garde“, 2004 in Locarno einen Silbernen Leoparden gewann, stürzt sich in diese Sommerkomödie, als ginge es um alles oder nichts. Vorbilder wie „Türkisch für Anfänger“ sind, was Tempo und Turbulenzen anbelangt, ein Nichts dagegen. Die Wünsche nach dem Lottogewinn sind, je nach Geschlecht und Generation, so verschieden, dass erstmal keinerlei Langeweile aufkommen kann.

Luk träumt immer noch von Gül (Aylin Tezel), seiner schönen Freundin von einst.


Hotel und Sicherheit gegen Türken-Rap und verträumte Videooptik, das ist eine Konstellation, die den Film lange trägt, zumal die Regisseurin in dem Schweizer René Vaziri (mit iranischer Abstammung) einen wundersam verträumten Hauptdarsteller hat. Den Trick, mit schönen Frauen schöne (Video-) Filme zu drehen, haben seinem Luk zwar längst andere vorgemacht, aber ausgerechnet ihm hätte man es nicht zugetraut.

Natürlich wird das Bollywood-Filmchen ein Fiasko, und auch das Familienhotel ist am Ende fort. Macht nichts, sagt die Regisseurin: Glück geht anders. Glück ist nicht das Geld, sondern der Umstand, ganz bei sich selber zu sein. Der deutsche Märchenheld, der den Goldklumpen gegen einen Mühlstein tauscht, ist zum türkischen Liebhaber mutiert. Vom Hans zum Luk – ein feiner Sommerfilm.

Text: Wilfried Geldner / Fotos: Real Fiction Filmverleih
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: ausgezeichnet
Genre: Komödie
Freigabealter: o.A.
Verleih: Real Fiction
Laufzeit: 91 Min.