Lass Oma mal machen

„Kann diese Familie nicht mal aufhören, mich wie eine demente Alte zu behandeln?“ – Wie vielen Rentnern Marianne Sägebrecht alias Marguerita alias Oma da wohl aus der Seele spricht? Auch wenn wohl die wenigsten Senioren in die Verlegenheit kommen, dem Papst versehentlich eine Ladung Pfefferspray zu verpassen und mit Kaiserschmarrn um Vergebung zu ersuchen: Es gibt durchaus Aspekte in Tomy Wigands Komödie „Omamamia“, die die Zuschauer sich etwas intensiver durch den Kopf gehen lassen sollten. Etwa die Frage, ob alte Menschen automatisch auch zum alten Eisen gehören.


Oma Marguerita (Marianne Sägebrecht) macht nicht mehr mit: Soll ihre überfürsorgliche Tochter Marie (überzeugt als große Spielverderberin: Annette Frier) doch selbst in das Altenheim ziehen, wenn sie es so schön findet – Marguerita jedenfalls fliegt nach Rom. Sie hätte dem Papst da nämlich noch eine Sünde zu beichten, ein Geheimnis, das Marguerita schon ziemlich lange mit sich herumträgt. Doch in der ewigen Stadt angekommen, muss die streng gläubige Katholikin feststellen, dass sie nicht die Einzige in der Familie ist, die etwas zu verbergen hat: Statt netter katholischer Au-pair-Kinder hütet Margueritas doch nicht so brave Enkelin Martina (Miriam Stein, „Goethe!“) in Rom die Bar einer Rocker-Kneipe. Kein Wunder also, dass Oma und Enkelin gleichermaßen panisch reagieren, als sich auch Marie in den Flieger gen Italien setzt.

Bis es jedoch zur großen Aussprache der drei kommt, muss noch der Papst verfolgt, eine Scheinhochzeit mit einem einheimischen Schlitzohr (charmant: Giancarlo Giannini) arrangiert, ein Macho zurechtgewiesen und ein deutsches Lokal im Herzen Roms gerettet werden. Was für eine Hektik! Das Gefühl, das sich beim Verfolgen der Handlung einstellt, gleicht in etwa dem, planlos durch eine fremde Stadt zu rennen, die nur aus kleinen, verwinkelten Gassen besteht. Sehr ansehnlichen Gassen in diesem Fall, muss man der Vollständigkeit halber erwähnen: Kameramann Holly Fink („Dschungelkind“) fing Rom und die Orte, die wie Rom aussehen sollen (etwa die Innenräume der Münchner Residenz), in warmem Licht ein, der verspielte Klavier- und Gitarrensoundtrack von Martin Todsharow erhöht den Wohlfühlfaktor noch zusätzlich.


Doch seine Seele erhält der Schwank, so sprunghaft erzählt er auch sein mag, natürlich durch Marianne Sägebrecht. Tomy Wigand („Fußball ist unser Leben“, „Das fliegende Klassenzimmer“) zeigt die 67-Jährige so, wie man sie am liebsten sieht: aufgescheucht und mit dem Herz am rechten Fleck. Wer könnte besser veranschaulichen, wie viel wertvolle Energie noch in Menschen schlummern kann, die aufgrund ihres Alters schon von der Gesellschaft oder gar der eigenen Familie abgeschrieben wurden?

Selbst wenn der Lösungsansatz, den Gabriela Sperl und Jane Ainscough für den Generationenkonflikt in ihrem Drehbuch unterbreiten, schon sehr blauäugig daherkommt: „Omamamia“ ermutigt immerhin dazu, sich das eigene Verhalten gegenüber vermeintlich „dementen Alten“ einmal selbstkritisch durch den Kopf gehen zu lassen.

Autor: Annekatrin Liebisch / Fotos: Majestic / Mathias Bothor
Quelle: teleschau – der mediendienst


Filmbewertung: akzeptabel
Genre: Komödie
Freigabealter: 0
Verleih: Majestic
Laufzeit: 103 Min.