Burn, burn, burn

Als 1957 das Buch „On The Road – Unterwegs“ erschien, wollte der Autor Jack Kerouac es am besten gleich verfilmt sehen. Mit Marlon Brando in der Rolle des charismatischen Beat-Poeten Dean und sich selbst als sein Alter Ego Sal Paradise. Daraus wurde nichts. Erst über 50 Jahre später schafft es nach mehren Anläufen nun Walter Salles, unter der Ägide von Rechteinhaber Francis Ford Coppola eine Adaption davon auf die Leinwand zu bringen. Ein optisch perfektes Abbild des Werks mit stimmigem Cast, dem aber Atmosphäre über Seele geht.


Nach dem Tod seines Vaters hält den Kanadier Sal Paradise (Sam Riley) nichts mehr in Montreal. Die Bekanntschaft mit Dean Moriarty (Garrett Hedlund), einem mitreißend lebenshungrigen New Yorker Poeten und Lebenskünstler eröffnet ihm neue Perspektiven. Sollte es doch noch etwas anderes als die von Verboten erstarrte Gesellschaft geben? Dürfen Jugendliche sich Hoffnung machen auf ein Leben jenseits von Eigenheim, Kindern und festem Einkommen?

Die Straße und das Auto als Symbole für Freiheit und Unabhängigkeit passen zum Lebensgefühl und der Suche nach etwas Neuem. Teilweise zusammen mit der jungen Marylou (Kristen Stewart), Deans junger, unkonventioneller Geliebter, machen sie sich auf den Weg quer durch die USA. Der Spielmacher im Trio ist eindeutig Dean. Seine Rastlosigkeit treibt sie durch die Staaten, sein Charisma sorgt für die sonderlichsten Begegnungen und explosive Momente. Wilde Parties mit Sex und Drogen, Gelegenheitsjobs und vor allem der Bebop-Jazz bestimmen ihr Leben.

Zum weiteren Kreis gehört Sals homosexueller Dichterfreund Carlo (im wahren Leben Allen Ginsberg, der „Howl“ schrieb), der zu einem von Deans Liebesopfern wird. Ein Highlight ist die Begegnung mit dem Angst einflößenden und von Paranoia geplagten Old Bull Lee (Alter Ego von William S. Burroughs, der „Naked Lunch“ schrieb), gespielt von Viggo Mortensen. Er ermutigt die jungen Männer zum weiteren Überschreiten von Grenzen in allen Bereichen.


Was die Beat-Generation lebte, war ein Angriff auf nahezu alle Werte der bürgerlichen Gesellschaft. Nach den 68ern etwas in Vergessenheit geraten, erfrischt „On The Road“ mit Einblicken in das Leben und die Gedanken dieser ersten Revoluzzer. Für ihren Lifestyle fand Kerouac sogar eine besondere Sprache. Rhythmisch wie der schnelle Bebop und ekstatisch wie die Worte in den Briefen seines Freundes Dean. In einer furiosen Tanzszene beweisen Marylou und Dean in Höchstform, dass drogengeschwängerter Hochgeschwindigkeitstanz schon vor Techno existierte. „Burn, burn, burn like fabulous yellow roman candles“ möchte man dazu aus dem Buch zitieren.

Zum Brennen bringt Regisseur Walter Salles seine Zuschauer leider nicht. Er hat keinen eigenen künstlerischen Zugang zum Stoff gefunden und kein Gefühl, das er vermitteln will. Salles ist fasziniert von Kerouac und Co., hat sich selbst auf den Weg durch die USA gemacht, um ihre Odyssee besser zu verstehen und Zeitzeugen zu finden. Was er erfahren hat, setzt er in schönen, ausgebleichten Bildern in Szene. Der Film zeigt exotische Drehorte und sich perfekt ergänzende, über sich hinauswachsende Darsteller. Dazu ein wirklich mitreißender Soundtrack, der Lust auf mehr Musik aus dieser Zeit macht. Allerdings geht dieser Hochglanzvariante des Buchs schnell die Puste aus – über 140 Minuten trägt sie nicht.

Text: Diemuth Schmidt / Fotos: 2012 Concorde Filmverleih GmbH
Quelle: teleschau – der medienddienst


Filmbewertung: akzeptabel
Originaltitel: On the Road
Genre: Drama
Freigabealter: 12
Verleih: Concorde
Laufzeit: 140 Min.