Sirtaki gegen die Finanzkrise

Ein millionenschwerer Grieche (Stephen Dillane), der britischer ist als seine englische Haushälterin. Sein Bruder Spiros (Georges Corraface), der ein direkter Nachfahre von Anthony Quinns Alexis Sorbas sein könnte. Die Finanzkrise von 2008, die den entzweiten Brüdern nur eine heruntergekommene Fish & Chips-Bude in einer ethnisch bunt gemischten Gegend von London lässt und sie zwingt, sich wieder zusammenzuraufen. Willkommen in der überaus charmanten britischen Tragikomödie „Papadopoulos & Söhne“.

Szene mit Georges Corraface.
Regisseur und Drehbuchautor Marcus Markou, selbst Kind griechisch-zypriotischer Einwanderer, hat in seinem Spielfilmdebüt vieles richtig gemacht. Zunächst einmal bewies er ein außerordentlich gutes Händchen für sein Ensemble: Stephen Dillane (Stannis Baratheon aus „Game of Thrones“) spielt mehr als überzeugend Harry Papadopoulos – den Mann, der gerade noch zum „Unternehmer des Jahres“ gekürt wurde und wenig später wieder arm wie ein Tellerwäscher ist.

Ihm zur Seite steht Selina Cadell als Haushälterin, die ihrem Arbeitgeber schon mal herrlich den Kopf zurechtrückt, wenn es sein muss. Selbst die Kinder des zugeknöpften Griechen spielen erfolgreich an Klischeefallen vorbei: Dillanes echter Sohn Frank gibt seinen stotternden Filmsohn James, der von Anfang an keinerlei Ambitionen zeigt, einmal das Imperium des Vater zu übernehmen – schließlich kann er nach eigener Aussage den Namen nicht einmal aussprechen. Der kleine Theo (Thomas Underhill) scheint dagegen die unternehmerischen Gene seines Vaters geerbt zu haben, Töchterchen Katie (Georgia Groome) dessen snobistische Ader. All dies wird durch die reinigende Krise und die Wiederannäherung an den unkomplizierten Spiros auf den Prüfstand gestellt. Und der Zuschauer fängt nur allzu gerne mit diesen sympathischen Figuren, die nie um einen intelligenten Wortwitz verlegen sind, bei Null an.

Szene mit Stephen Dillane und Cosima Shaw.
„Was ist Erfolg? Die Freude, die man empfindet, ist Erfolg“, heißt es in dieser Wohlfühlkomödie. Dass diese einfache Botschaft nicht moralinsauer aufstößt, liegt an der Liebe zum Filmhandwerk, die aus jeder Einstellung dieses Langfilmdebüts leuchtet. Zu guter Letzt liegt es auch in der bezaubernden Szene, in der der zurückhaltende Harry mit einem Sirtaki gegen die schlechte Laune antanzt, die die Finanzkrise bei dem einen oder anderen hervorrufen kann. Alexis Sorbas wäre stolz.

Text: Gabriele Summen / Fotos: Neue Visionen Filmverleih
Quelle: teleschau – der mediendienst

Filmbewertung: ausgezeichnet
Genre: Komödie
Freigabealter: 0
Verleih: Neue Visionen
Laufzeit: 109 Min.